In Deutschland kommen im Sommer mehr Babys zur Welt als sonst im Jahr. Das war nicht immer so. Bis vor einigen Jahren kamen die meisten Kinder in der Bundesrepublik im Frühling zur Welt. Was es mit der Geburtenverschiebung auf sich hat, darüber lässt sich allerdings nur munkeln.

Der Storch bringt im Frühling die Kinder. Lange Zeit hat dieses Märchen immerhin zeitlich gestimmt. Denn tatsächlich kamen in der Bundesrepublik bis vor etwa 40 Jahren in den Monaten Februar, März und April mehr Kinder zur Welt als im restlichen Jahr.

"Letztes Jahr wurden im geburtenstärksten Monat Juli im Schnitt rund 20 Prozent mehr Kinder pro Tag geboren als im geburtenarmen Dezember. Geburtenstark sind außerdem noch August und September."
Anne Preger, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Das ist heute anders: Vor allem im Juli werden deutlich mehr Kinder geboren als zum Beispiel im Dezember, erklärt Anne Preger von den Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten.

Keine Erklärung – nur viele Theorien

Warum die Geburtenverteilung sich so geändert hat, lässt sich nicht einfach sagen. Theorien gibt es aber einige, sagt Anne Preger. Zum Beispiel könnte es damit zusammenhängen, dass Sex vor der Ehe bis vor einigen Jahren verpönt war. Viele Paare heirateten im Sommer – was wiederum zu Geburten im Frühling passt. Ein anderer Faktor, der hinzu kommt: Durch die Pille sind Schwangerschaften planbarer geworden.

Klimawandel könnte für mehr Fehlgeburten sorgen

Eine andere Theorie kommt aus Rostock. Der Demographie-Forscher Joshua Wilde geht davon aus, dass es mehr Fehlgeburten gibt, wenn es in den Tagen um die Zeugung besonders heiß ist. Das würde bedeuten, dass Schwangerschaften, die im Sommer beginnen, etwas weniger erfolgreich sind. Bedeutet auch: Neun Monate später weniger Geburten im Frühjahr.

"Es gibt eine Reihe von Studien, die sich mit den Auswirkungen des Geburtsmonates auf das spätere Leben beschäftigen."
Anne Preger, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Einige Forschende gehen davon aus, dass der Monat in dem wir geboren werden, Auswirkungen auf unser späteres Leben hat – und das nicht wegen des Sternzeichens.

Eine kleine Studie aus Belgien hat beispielsweise ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Hitze und Genetik festgestellt. Die Forschenden haben genetische Untersuchungen an Nabelschnurblut vorgenommen und kommt zu dem Schluss, dass Hitze in den Wochen vor der Geburt die Telomere im Erbgut verkürzt. Je länger die sind, desto länger statistisch die Lebenserwartung.

Auswirkungen auf Schulerfolg oder Depression

Forschende untersuchen aber nicht nur die Effekte auf die Lebensdauer, sondern beispielsweise auch, ob sich der Geburtsmonat auf den Schulerfolg auswirkt oder eine Depressionserkrankung begünstigen könnte.

Die norwegische Forscherin Ingeborg Foldøy Solli geht davon aus, dass jüngere Kinder es in der Klasse tendenziell schwieriger haben – das heißt, die Kinder, deren Geburtstag in den Wochen vor dem Einschulungstag, oder sogar etwas dahinter, liegt.

In einer anderen Studie, untersuchten Forschende, welchen Effekt mehr oder weniger Licht in der Schwangerschaft hatte. Sie kamen aber zu keinem eindeutigen Ergebnis.