Wer Hebammen werden will, muss bald studieren. Am geringen Einkommen und hohen Versicherungsgebühren ändert das nichts. Eine gute Entwicklung für die Moral, sagt Yvonne Bovermann vom Deutschen Hebammenverband.

Der Bildungsweg in den Kreißsaal führt für Hebammen bald über die Universität oder Fachhochschulen. Das hat der Bundestag beschlossen. Künftig sollen eine zwölfjährige Schulausbildung oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf Voraussetzung für die Zulassung zur Ausbildung sein. Das duale Studium soll in Vollzeit mindestens sechs und höchstens acht Semester dauern. Die angehenden Hebammen sollen während des Studiums eine Vergütung erhalten.

Der medizinische Fortschritt eröffne neue Möglichkeiten in der Diagnostik, Therapie, Prävention, Rehabilitation und Pflege, heißt es in dem Gesetz. Auch die Digitalisierung verändere die Gesundheitsversorgung. Ein akademischer Abschluss werde diesen Anforderungen gerecht. Bislang ist Hebamme ein Ausbildungsberuf. Sie werden an Hebammenschulen ausgebildet – Voraussetzung ist die Mittlere Reife oder ein gleichwertiger Schulabschluss.

Frist bis Januar 2020

Mit dem Gesetz wird eine EU-Richtlinie umgesetzt. Danach müssen Hebammen bis zum 18. Januar 2020 an Hochschulen ausgebildet werden, es ist also höchste Zeit für das Gesetz, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz. Sie hat mit Yvonne Bovermann vom Deutschen Hebammenverband gesprochen. Sie begrüßt den Schritt zu einer akademischen Hebammenausbildung grundsätzlich.

"Wir haben seit 20 Jahren darum gerungen, und wissen, dass weltweit und vor allem in Europa uns alle Länder vorausgegangen sind und sind froh, dass wir jetzt endlich nachziehen können."
Yvonne Bovermann, Deutscher Hebammenverband, Beirätin für den Bildungsbereich

In Deutschland gibt es schon eine ganze Reihe von Hochschulen, die ein Duales Studium für Hebammen anbieten. Das kann zwischen sechs und acht Semestern dauern, aber es gibt auch immer noch Hebammenschulen für die dreijährige Ausbildung.

Für diese gelten Übergangszeiten. Wer im Moment schon in Ausbildung ist, oder auch bis Ende 2021 anfängt, kann sie noch an der Hebammenschule abschließen. Diese Übergangszeit sieht der Deutsche Hebammenverband allerdings kritisch, weil Hebammen ausgebildet werden, deren Abschluss nicht mehr dem künftigen EU-Standard entspricht. Yvonne Bovermann begrüßt, zwar dass das Reformgesetz Hebammen für die Leitung der neuen Studiengänge vorsieht, fordert jedoch einen nahtlosen Übergang der Hebammenschulen in die entsprechenden Hochschulstudiengänge – inklusive der Lernenden und der Lehrenden.

"Wir plädieren dafür, dass sich möglichst schnell Hebammenschulen mit Hochschulen zusammentun; die Hochschule startet und holt sich die Schülerinnen als Studierende und die Lehrenden gleich mit."
Yvonne Bovermann, Deutscher Hebammenverband

Zu den großen aktuellen Problemen der Geburtshilfe gehören der geringe Verdienst der Hebammen – 2018 waren es durchschnittlich rund 1800 Euro netto ohne Zuschläge – und die hohen Versicherungsgebühren. Außerdem schließen viele Kliniken ihre Geburtsstationen. Nach Angaben des Verbandes hat sich die Zahl der Krankenhäuser mit Geburtshilfe von 781 im Jahr 2011 auf 672 im Jahr 2017 reduziert. Diese Probleme berührt die Reform der Hebammenausbildung nicht.

Yvonne Bovermann hofft aber, dass eine universitäre Ausbildung dem Beruf einen höheren Stellenwert gibt, wenn es Hebammen mit Master und Promotion gibt.

"Viele Hebammen hören jetzt auf, weil die einfach demoralisiert sind von den Arbeitsbedingungen und die Belastungen nicht mehr aushalten und sich in der Veränderung von bestehenden Zuständen wirkungslos fühlen."
Yvonne Bovermann, Deutscher Hebammenverband, Beirätin für den Bildungsbereich