Er war ein lebenslustiger Mann und ein akribischer Ermittler: Ohne Ernst Gennat würden heute wahrscheinlich nicht Millionen vor dem TV-Tatort sitzen. Der Berliner leitete in der Weimarer Republik die erste Mordkommission - und revolutionierte vor allem die Spurensicherung.

Der Mann hat eine ungewöhnliche Körperfülle, isst schon morgens Torten und lässt es sich bei Zigarre und Rotwein gut gehen. Im Kollegenkreis heißt der Berliner Kriminalkommissar Ernst Gennat "Buddha" oder der "volle Ernst", bei den Berlinern ist er ein Medienstar. Die Zeitungen berichten über seiner Ermittlungserfolge im Berliner Kriminellenmilieu, das während der Weimarer Republik immer größer wird.

Meister der Spurensicherung

Aber Ernst Gennat ist nicht nur ein lebenslustiger Mann, sondern auch ein akribischer Ermittler, auf den die Einrichtung der ersten Mordkommission in Berlin zurückgeht. Er entwickelt einen penibel einzuhaltenden Plan, nach dem am Tatort die Ermittlungen stattzufinden haben.

Leichen dürfen nicht angerührt, Gegenstände nicht weggeräumt oder Unbeteiligte an den Tatort gelassen werden, bevor nicht alle Spuren gesichert sind. Gennat lässt eine Kartei anlegen, aus der nicht nur die biografischen Angaben von Opfern und Tätern hervorgehen, sondern auch Tatabläufe, Mordwaffen oder andere Besonderheiten eines Falles.

Mordermittler der Kommission Gennat mit ihrem Dienstwagen.
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Mordermittler der Kommission Gennat mit ihrem Dienstwagen.

Gennat lässt auch das "Mordauto" konstruieren, das als behelfsmäßiges Büro funktioniert - mit Schreibmaschine und einem Klapptisch mit Stühlen, damit auch im Freien gearbeitet werden kann. Für Arbeit am Tatort sind Scheinwerfer, Handwerkszeug, Äxte, Spaten, Schrittmesser, Gummihandschuhe oder Pipetten, Deckelgläser, Kartons oder Flaschen zur Aufbewahrung von Beweisstücken vorhanden. Um den gewichtigen Kriminalkommissar Ernst Gennat an den Tatort zu bringen, musste das Mordauto auf der Beifahrerseite mit einer Stahlkonstruktion verstärkt werden.

Außerdem hört ihr in Eine Stunde History:

  • Die Autorin Regina Stürickow hat sich mit der Kriminalgeschichte der Weimarer Republik und dem Berliner Kriminalkommissar Ernst Gennat. Sie gibt Einblicke in sein Leben und seine Arbeitsweise.
  • Der ehemalige niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer erläutert die kriminalistische Arbeitsweise während des NS-Regimes und in den Anfängen der beiden deutschen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg.
  • Christian Matzdorf ist Professor für Kriminalistik an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht und beschreibt die moderne Entwicklung in der KTU.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperten Matthias von Hellfeld berichtet über die Anfänge der kriminaltechnischen Untersuchungen in der Antike.
  • Deutschlandfunk Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff erklärt, was Ernst Gennat unter Polizeiarbeit verstand.