Das Handy fliegt ins Klo, das Rotweinglas auf die weiße Bluse einer Fremden - warum wir uns so gut an Pannen erinnern, obwohl sie ja meist unangenehm sind.

Ein Mann, bekleidet mit Socken und Unterhose, hängt kopfüber über einem geöffneten Kanalschacht. Ein seltsames Bild. Um ihn herum stehen sechs Männer der Hamburger Feuerwehr und zwei Rettungssanitäter. Seine Füße in gelben Schlaufen werden von einem Drehleiterwagen nach oben gezogen. 

Diese Situation ist durch ein ganz alltägliches Missgeschick entstanden: Dem Mann war sein Schlüssel aus der Hand gefallen und im Gully gelandet. Der Mann hatte dann versucht den Schlüssel rauszufischen, mit dem Resultat, dass er kopfüber feststeckte. 40 Minuten lang, bis ihn die Feuerwehr aus seiner Lage befreite. Peinlich? Irgendwie schon. Oder aber vielleicht auch die Geschichte seines Lebens. Es kommt drauf an, was wir aus solchen unangenehmen Erlebnissen machen.

"Eine perfekte, kontrollierte Welt ohne Fehler ist unfassbar langweilig."
Henning Beck, Biologe und Neuropsychologe

Henning Beck ist Biologe und Neuropsychologe. Er weiß, das unser Hirn nicht immer nach Schablone funktioniert, sondern, dass es uns dazu bringt, auch mal neue Dinge zu machen. Dinge, die außer Kontrolle geraten und wir dann eventuell kopfüber in einem Gully stecken oder ein Tinderdate zu einem mega-peinlichen Ereignis machen, an das sich viele Menschen noch lange erinnern werden.

Das wohl berühmteste Tinder-Date

Ein Tinder-Date in Großbritannien im Jahr 2017: Ein Typ namens Liam und eine Frau verstehen sich so gut, dass sie noch zu Liam nach Hause gehen, um eine Flasche Wein zu trinken. Die Frau geht aufs Klo. Und dann gerät die Geschichte ganz langsam aus dem Ruder. Zuerst ist da das kleine Problem, dass die Klospülung nicht funktioniert und sich das große Geschäft nicht wegspülen lässt. Also nimmt sie das Ding und wirft es aus dem Fenster. 

"Dass ein Fehler den anderen gibt, kann daran liegen, dass wir beim ersten Fehler schon anfangen, die Kontrolle zu verlieren."
Henning Beck, Biologe und Neuropsychologe

Das nächste Problem in der Geschichte ist, dass das Fenster kein wirkliches Fenster nach außen ist, sondern ein doppelt verglaster Schacht, in dem jetzt eine Kackwurst steckt. Ultrapeinlich! Das denkt sich auch die Frau und versucht die Scheiße aus dem Schacht zu entfernen, indem sie hinterher kriecht. Aber der Schacht ist schmal und so bleibt sie kopfüber darin stecken.

Öffentlich geworden ist die ganze Geschichte deswegen, weil nun die Feuerwehr anrücken und das Fenster kaputt schlagen musste, um die Frau zu befreien. Liam, der Mieter der Wohnung, musste für den Schaden aufkommen und 330 Euro zahlen. Er hat dann die Geschichte veröffentlicht, um per Crowdfunding Geld zu sammeln. Mit dem Geld, das er schließlich eingesammelt hat, kann er jetzt viele Fenster erneuern.

"Das macht unsere Persönlichkeit aus, welche Art von Fehlern wir haben. Nicht, dass wir fehlerfrei sind, sondern wie wir Fehler machen und wie wir auch damit umgehen."
Henning Beck, Biologe und Neuropsychologe

Sowohl das Tinder-Paar als auch der Mann aus dem Gully: Alle haben obendrein eine Geschichte, die sie vermutlich ihr Leben lang unter Lachtränen erzählen werden. Und das, sagt der Psychologe Frieder Paulus gehört auch dazu, ein Missgeschick zu verarbeiten: "Damit das nicht an einem kleben bleibt und irgendwie ein traumatisches Erlebnis ist sondern dass man damit umgeht und diesen Spaß, den man dabei empfindet auch positiv besetzen kann und die Geschichte seinen Enkeln erzählen kann."

Wenn Euch also mal ein Schlüssel in den Gulli fällt oder die Klospülung nicht funktioniert - denkt dran, ihr habt zwei Möglichkeiten: Entweder ganz ruhig bleiben oder losimprovisieren, Peinlichkeiten riskieren und die Möglichkeit ergreifen, eine einzigartige Geschichte zu schreiben.