Dem Verband der Geflügelzüchter geht es jetzt um das Tierwohl. Er fordert in einem Positionspapier alle öffentlichen Akteure auf, in die Tierschutz-Zukunfts-Allianz zu kommen. Es geht auch um finanzielle Unterstützung.

Vor Beginn der Agrarmesse Grüne Woche hat der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) seine Idee für eine "Zukunftsallianz für nachhaltigen und praktikablen Tierschutz" vorgestellt. ZDG-Verbandspräsident Friedrich-Otto Ripke erklärt, man habe auf Schnabelbehandlungen verzichtet und die Besatzdichten reduziert. Es habe sich in den letzten Jahren vieles positiv entwickelt.

"Wir sind eine Branche, die seit Jahren extrem proaktiv unterwegs ist."
Friedrich-Otto Ripke, ZDG-Verbandspräsident

Marius Tuente vom Tierschutzbund sagt, es sei richtig, dass die Geflügellobby etwas unternehme, aber man versuche zu wenig, auf das Problem als Ganzes zu schauen. Nur Einzelsymptome, wie die Schnabelbehandlungen zu verbessern, sei zu wenig.

"Da ist noch viel mehr möglich um den Tieren den Platz zu geben, den sie brauchen. Und gleichzeitig müssen wir daran arbeiten, dass die Tiere nicht mehr so hochgezüchtet sind, sondern von alleine auch stehen können."
Marius Tuente, Tierschutzbund

Was den Einsatz von Antibiotika in der Geflügelzucht angeht, gibt es Anerkennung vonseiten des Tierschutzbundes. Aber das Thema Tierwohl wird für Tuente nicht entschlossen genug angegangen. Ripke mahnt dagegen, es nicht zu übertreiben: Man müsse Schritt für Schritt vorgehen, sonst gefährde man heimische Betriebe. Die seien schnell nicht mehr konkurrenzfähig gegen die günstigen Tiere aus anderen Ländern.

Regionalität als Verkaufsargument

"Da hat Herr Ripke Unrecht", sagt der Tierschützer. Man wisse, dass Regionaliät und Qualität beim Verbraucher eine wichtige Rolle spiele. Man werde nie mit den Preisen aus Brasilien mithalten können und müsse vielmehr gute, regionale Produkte anbieten.

"Also ich denke, dass, wenn man Tierschutz oder Tierwohl im Produkt haben möchte, dann muss der Preis sicherlich 30 bis 70 Prozent teurer werden."
Marius Tuente, Tierschutzbund

Die Geflügelzüchter argumentieren, weil der Tierschutz Staatsziel sei, müssten auch alle ran. Man denkt an staatliche Unterstützung und ein staatliches Tierwohl-Label, das auf der bestehenden Initiative "Tierwohl" aufbaue. Aber: Das Label bietet nur minimale Standards. Nach Recherchen der Verbraucherzentralen garantiere es nicht einmal, dass es sich bei dem gekauften Fleisch tatsächlich um ein gelabeltes handelt und nicht doch um ein "Standardprodukt". 

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