Das neuartige Coronavirus und die damit verbundenen Umstände machen uns Angst. Unsere Reporterin erklärt, warum es im Moment besonders wichtig ist, auf unsere Gefühle zu hören.

"Keine Panik!" Diese zwei Worte werden in dieser Zeit immer wieder gesagt - von Menschen aus der Politik, aber auch von vielen anderen, die zum Beispiel Bilder von leeren Nudel- und Toilettenpapier-Regalen im Supermarkt posten.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz sagt, es sei völlig gerechtfertigt, dass wir uns Sorgen machen und Angst haben, weil wir immer noch so wenig wissen. Und, weil wir alle eine ernste und extreme Situation erleben. Verena ist dabei allerdings auch aufgefallen, dass die Angst dabei oft als etwas Negatives dargestellt wird.

"Wenn über Angst vor Corona gesprochen wird, wird das schnell in die Ecke gerückt von 'irrational' und 'panisch', und das hat in der Regel so einen negativen Beigeschmack."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Jan Lenarz ist Autor und schreibt über Stressvermeidung und Achtsamkeit in Berlin. Er sagt: „Wer 'keine Panik' sagt, sagt damit eben auch immer – du hast gerade Panik, hör auf damit, deine Emotionen sind nicht okay. Und das finde ich in der aktuellen Lage schon ein bisschen schwierig, weil die Menschen haben eben Ängste und Sorgen.“ Diese Sorgen seien absolut berechtigt die würden ja auch von Forschern und Forscherinnen geteilt.

"Da sollte man sich durch Aussagen wie 'keine Panik' nicht die Emotionen verbieten lassen."
Jan Lenarz, Autor

Unsere Reporterin empfiehlt auch, dass wir uns im Moment auf unser Bauchgefühl verlassen sollten und zum Beispiel Gefühle wie etwa Ekel ernst nehmen sollten: "Also wenn du dich im Moment vor Aufzug-Tasten ekelst, weil du denkst, wer hat da vielleicht schon dran gefasst oder davor, dass jemand in deiner Nähe hustet – und du dementsprechend Abstand hälst – dann ist das gut."

Ekel schützt uns

Diese Gefühle von Unbehagen und Ekel sind in uns angelegt, um uns für Infektionen zu schützen, das sagt auch Valerie Curtis, Professorin am Londoner Zentrum für Hygiene und Tropenmedizin, die sich mit menschlichem Verhalten und Ekel beschäftigt.

"Disgust turns out to be an ancient system in our brains, that has told our ancestors to stay away from the things that made them sick. That existed long before germs were discovered."
Valerie Curtis, Professorin am Londoner Zentrum für Hygiene und Tropenmedizin

Ekel sei ein uraltes System in unserem Gehirn, das bereits unseren Vorfahren half, Abstand von Dingen zu nehmen, die sie krank machen oder sogar töten. Es ist es also eine gute Idee, Abstand zu halten, wenn wir uns ekeln – und auch das sollte uns nicht peinlich sein.