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Hundehaufen, Maden und Eiter können starken Ekel hervorrufen – je nach Mensch ist dieses Gefühl ziemlich individuell. Die Gegenmittel sind es auch.

Wenn etwas sehr eklig ist, dann dreht es uns sprichwörtlich den Magen um. Forschende haben in einer Studie gezeigt, dass Ekel tatsächlich die Bewegungen unserer Magen-Darm-Muskulatur verändern kann. Sie bewegt sich in etwa so, wie bei Übelkeitsgefühlen in deren Folge sich der Magen leert – vor dem Erbrechen also. Auch dann bewegen sich die Muskeln im Bauch auf eine bestimmte Art und Weise – ähnlich ist es auch bei starkem Ekel.

Bei ihrer Untersuchung sind die Forschenden aus der Cambridger Medical Research Council Cognition and Brain Sciences Unit zusammen mit einem Kollegeen aus den USA folgendermaßen vorgegangen: Sie haben gesunden Probanden ekelige Bilder gezeigt – und zwar immer Bilder von Fäkalien, weil diese bei Menschen sehr zuverlässig Ekel auslösen.

Die Forschenden wollten herausfinden, ob sich diese Muskelbewegungen im Magen-Darm-Trakt beeinflussen lassen und ob das auch Auswirkungen auf das Ekelgefühl hat.

Weniger Übelkeit, weniger Ekel

Dafür haben sie einem Teil der Probanden ein Medikament gegeben, das oft gegen Übelkeit verabreicht wird und die Magenmuskulatur entspannt. Eine Kontrollgruppe von Probanden hat für den Vergleich ein Placebo bekommen.

Im Ergebnis fanden beide Gruppen den Anblick der Kotbilder zwar gleich eklig. Diejenigen, die das Medikament gegen Übelkeit bekommen hatten, haben den Anblick der ekeligen Bilder allerdings länger ausgehalten als die Menschen in der Placebogruppe.

Medikament gegen Ekel

Die Forschenden nehmen an, dass die Behandlung mit diesem Medikament Menschen helfen könnte, die unter extremen Ekelgefühlen leiden. Es hilft zwar nicht gegen den Ekel selbst, aber es hat in der Studie dazu geführt, dass sich der ekelerregende Anblick länger aushalten lässt. Das verwendete Medikament ist für die Forschenden kein Allheilmittel. Sie können sich aber vorstellen, damit extremen Ekel zu behandeln.

Ekel schützt uns

Ekel hat, wie andere negative Gefühle auch, etwas mit der Evolution zu tun. Ekel soll uns schützen, vor verdorbenem Essen, vor giftigen Pflanzen oder Tieren oder vor ansteckenden Krankheiten. Deswegen finden wir auch Dinge, die damit zusammenhängen, besonders ekelig.

Systematik des Ekelns

Eine zweite, etwas ältere britische Studie hat versucht zu systematisieren, wovor Menschen sich am meisten ekeln. Eine Auswahl:

  • eitrige Wunden
  • mangelnde Hygiene (Ekel vor Menschen mit unangenehmem Körpergeruch)
  • stinkenden Tieren
  • verdorbenen Lebensmitteln
  • Sex

Diese Studie hat auch bestätigt, dass Frauen sich in allen abgefragten Kategorien tendenziell mehr ekeln als Männer. Bernd Reuschenbach sagt, der Ekel, der uns angeboren ist, den bekämen wir kaum weg. Er ist Psychologe und hat zum Thema geforscht. Er lehrt Pflegewissenschaften an der Katholischen Stiftungshochschule in München.

"Angeborener Ekel ist sehr stark evolutionär. Dagegen verhaltenstherapeutisch oder medikamentös etwas zu tun, ist unglaublich schwierig."
Bernd Reuschenbach, Professor für Pflegewissenschaften, Katholische Stiftungshochschule, München

Daneben gibt es aber auch Ekel, der durch Erfahrung gelernt ist – Ekel vor einem bestimmten Essen beispielsweise. Andere entwickeln extremen, krankhaften Ekel vor Blut, Keimen oder öffentlichen Toiletten. Das lasse sich schon eher behandeln, sagt Bernd Reuschenbach. Vermeiden könne durchaus funktionieren, wenn es den Alltag nicht allzu stark verkompliziert.

"Wer einen starken Ekel vor Füßen hat, sollte sich von fremden, nackten Füßen fernhalten. Das wird wahrscheinlich meist klappen."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Wenn der Leidensdruck zu groß wird, wenn jemand vielleicht aus Angst vor dem Ekelgefühl schon gar nicht mehr aus dem Haus geht, dann könne eine Therapie sinnvoll sein, sagt Bernd Reuschenbach.

Bei der Expostionsbehandlung werden Patientinnen und Patienten mit ihrem Ekel ganz gezielt konfrontiert. Verhaltenstherapie kann bei starkem Ekel ähnlich wie auch bei Angststörungen oft ein gutes Mittel sein.

"In der Gestalt, dass man die Person dem Ekel sukzessive heranführt. Die ganze Bandbreite verhaltenstherapeutischer Maßnahmen kann hier eine Möglichkeit sein."
Bernd Reuschenbach, Professor für Pflegewissenschaften, Katholische Stiftungshochschule, München