Der aktuelle Fleischatlas sammelt Daten über unseren Fleischkonsum. Und er schlägt vor: Wir sollten vom Tier viel mehr essen als wir es bisher tun.

Probleme, die eine industrielle Massentierhaltung und dementsprechend ein hoher Fleischkonsum mit sich bringen, sind lange bekannt: Hoher Ressourcenverbrauch, schlechte Bedingungen für die Tiere, Belastung fürs Klima. Der diesjährige Fleischatlas, herausgegeben vom Naturschutzbund "Bund", zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung, schlägt deshalb zwei Verbesserungen vor:

1. Alles vom Tier essen, nicht nur die Filets

Früher war es üblich, so wenig vom Schwein wegzuschmeißen wie möglich. Das klappte gut, denn prinzipiell ist fast alles vom Tier essbar. Selbst das Blut wurde aufgefangen und zusammen mit anderen Resten zum Beispiel zu einer Blutsuppe verarbeitet. Spanische Tapas bestehen oft aus Innereien. Und der Magen vom Schwein wurde bekannte als "Saumagen", den Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl gerne aß.

"Ein Problem ist das berühmte Hühnchenbrustfilet. Vom Huhn essen wir nur das - der Rest wird nach Afrika verkauft, wo das billige Fleisch aus Europa mit den Produkten der lokalen Landwirtschaft konkurriert."
Jule Reimer, Deutschlandfunk-Umweltredaktion

Inzwischen hat ein Umdenken begonnen. Manche Sterneköche verwenden bewusst das ganze Tier und machen aus Hühnerfüßen, Schlachtfett und Nierchen Gourmet-Speisen. Und es gibt Kochbücher mit Rezepten nach der Nose-to-Tail-Strategie.

2. Bessere Labels, weniger Chaos

"Wir haben zurzeit ein Label-Chaos", sagt Jule Reimer aus der Deutschlandfunk-Umweltredaktion. So hat der Tierschutzbund ein eigenes Fleisch-Label, die Bio-Verbände haben ihre Kennzeichnungen, auch die konventionelle Landwirtschaft bietet zusammen mit dem Handel ein Label an.

Verbindlicher und übersichtlicher wäre ein staatliches Fleischsiegel, das verpflichtend die Herkunft des Fleisches angibt, schlägt der Fleischatlas vor. Bei den Eiern funktioniert das: Eine "3" steht für Käfighaltung, eine "0" steht für Bio-Ei. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt will ein solches standardisiertes Fleisch-Label zurzeit allerdings nicht verpflichtend machen.