Vielleicht macht die Kollegin uns wütend, oder wir sind sauer auf einen Kunden oder traurig, weil wir zu Hause eine schlimme Nachricht bekommen haben. Unsere Emotionen können wir auf der Arbeit nicht verstecken, aber je nach Umfeld können wir mal mehr, mal weniger offen damit umgehen.

Emotionen im Job sind unausweichlich, aber manchmal fehl am Platz - mit verheultem Gesicht kann man schlecht in einem noblen Restaurant die Gäste bedienen.

Der Autor und Hochschullehrer für Psychologie Frank Berzbach: Wenn wir wütend sind, müssen wir einen Weg finden, damit umzugehen. Wir sollten uns Zeit verschaffen, mal rausgehen aus der Situation oder die E-Mail erst einen Tag später beantworten.

Das Fatale an den Emotionen sei, dass wir sie nicht loslassen können - im Gegensatz zu Gedanken, bei denen das möglich ist.

Emotionen von zu Hause bringt man mit zur Arbeit

Etwas anderes als der Ärger über die Kollegin oder den Kunden auf der Arbeit sind die Emotionen, die wir von zu Hause mitbringen. Wenn wir morgens eine schlechte Nachricht bekommen, traurig sind oder wütend auf den Partner, nehmen wir das mit auf die Arbeit. Diese Emotionen sind zwar vielleicht durch die Auto- oder Bahnfahrt schon ein wenig runtergekühlt - sie sind aber immer noch da und lassen sich auch nicht zu hundert Prozent verbergen.

Bei Befindlichkeiten könne man sich beherrschen (lernen), sagt Frank Berzbach, größere Dinge ließen sich aber nur schwer verbergen - und da sei es entscheidend, wie das Arbeitsumfeld ist. Wenn wir uns gut mit den Kollegen und Kolleginnen verstehen und eine offene Atmosphäre herrscht, können wir uns mitteilen, sagt Frank Berzbach. Da würde einem im besten Fall ein Rückzugsraum gewährt.

"In einem kollegialen Umfeld wird einen jeder verstehen und einen schützen und einem einen Rückzugsraum gewähren."
Frank Berzbach, Autor und Hochschullehrer für Psychologie

Es gebe auch Branchen, wo die Atmosphäre nicht so offen ist. Da sei es schwierig, mit seinen Emotionen umzugehen. Als Beispiel führt Frank Berzbach den Servicebereich an. Wenn ein Kellner oder eine Kellnerin einen schlechten Tag hat, muss die Person trotzdem lächeln, und das mache es doppelt schwer.

Emotionen von Kollegen: Auf die Hierarchieebene achten!

Wenn wir merken, dass Kollegen etwas bedrückt, können wir je nach Hierarchieebene auf sie zugehen und sie darauf ansprechen. Oft hat man aber auch gar keine persönlich-private Beziehung zueinander. Da fällt es schwer, das Rollenschema aufzubrechen. In diesen Fällen rät Frank Berzbach, dass wir uns der Person vorsichtig annähern. Bei großen Emotionen von Kolleginnen und Kollegen schlägt er folgende Reihenfolge vor:

  • Zurückhaltung
  • Rantasten
  • Zurückziehen
  • Versuchen zuzuhören
"Im normalen Job gilt ein Wutausbruch als Kontrollverlust, und das ist selten zielführend."
Frank Berzbach, Autor und Hochschullehrer für Psychologie