Nach den Anschlägen von Brüssel nahmen einige Politiker das Wort "Krieg" in den Mund, den man nun führen müsse gegen den sogenannten Islamischen Staat. "Eine katastrophale Reaktion", nennt das der Philosoph Martin Booms.

Martin Booms ist der Geschäftsführende Direktor der Bonner "Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur". Er ist sich sicher: Mit dem Reden von Krieg erheben die Regierungen die Terroristen zu einer Kriegspartei. Dadurch, dass die Attentäter - obwohl sie de facto keine Kriegspartei seien - unnötig auf Augenhöhe mit den demokratischen Staaten gebracht würden, spielten die Politiker ihnen nur noch mehr in die Hände.

Booms befasst sich in seinem Vortrag, den er am 18.12.2015 an der Bonner Universität gehalten hat, und vor dem Hintergrund der Anschläge in Brüssel unfreiwillig aktuell ist, mit der Frage: "Gibt es den gerechten Krieg?" Seine Antwort: Nein.

In einem Planspiel argumentiert er, dass der Islamische Staat sehr wohl als gerecht bezeichnet werden kann. Nach seinen Worten könnte man im Hinblick auf die Terrororganisation feststellen:

"Wenn sie es schaffen würden, alle 'Ungläubigen' aus der Welt zu eliminieren, würden sie aufhören Krieg zu führen, denn dann hätten sie einen Friedenszustand nach ihrem Verständnis erreicht."
Martin Booms, Philosoph

Gerechtigkeit, so Booms, sei also kein hinreichender Grund, die Frage nach Krieg oder nicht zu beantworten. Und er überrascht damit, dass längst als veraltet bewertete Prinzipien - da aus dem Alten Testament stammend - noch heute absolut "gerecht" seien. Er bezieht sich dabei auf die Bibel, in der es heißt: "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Selbst in Europa gebe es Landstriche, in denen diese Art der Vergeltung noch immer praktiziert werde.

"Wenn Sie mal ins albanische Bergland gehen, werden Sie feststellen, dass da durchaus noch Regionen bis heute geprägt sind von diesem dort gesellschaftlich verankertem Prinzip der Blutrache."
Martin Booms, Philosoph