Wieder 50 Bilder in der WhatsApp-Gruppe. Wir knipsen uns dumm und dusselig. Geht doch schöner, oder? Wir haben uns ein paar Tipps abgeholt.

Nur wenige Selfies schaffen es in das neue gegründete Selfie-Museum. Auch wenige sind so spannend wie das legendäre Oscarselfie, dass sie in Magazinen abgedruckt werden. Trotzdem knipsen wir dauernd und posten: Uns, die Family, die Kumpels, Frühstückskaffee, Abendessen, Sonnenuntergang, Party... Puuh! Eine Milliarde Fotos pro Tag weltweit landen im Web. Wäre es nicht schöner, einen Gang runter zu schalten, statt immer wieder drauf zu halten? Wir haben uns Fotografie-Rat geholt: für mehr Qualität statt Quantität.

Verloren in der Low-Quality-Picture-Galaxy

Stefano Levi ist Fotograf und Dokumentarfilmer. Den leidigen Weg der Bildauswahl kennt er nicht nur aus seiner fotografischen Ausbildung, sondern auch als die digitale Fotografie ins Spiel kam. Plötzlich kosteten mehr Bilder nicht mehr - nur halt eben mehr Zeit. Eine ganz andere Dimension nimmt die Fotoparade auf dem Handy ein. Mit dem Selfiewahn kann Stefano gar nichts anfangen. Warum nur haben wie zig-fach Fotos mit dem gleichen Gesichtsausdruck abgespeichert?

"Wenn die Kinder von diesen Menschen, die tausend Selfies machen, deren ganzen Fotos sehen, fragen ihre Eltern bestimmt später mal: Warum hast du dich so häufig fotografiert?"
Stefano Levi, Fotograf und Dokumentarfilmer

Sein erster Foto-Tipp setzt daher schon an, bevor wir den Auslöser drücken. Sich ernsthaft fragen, warum wir das eigentlich machen. Als nächstes hilft der Blick in den Fotogrundkurs. Beispielsweise: Blick nach Rechts und in Blickrichtung noch Hintergrund lassen. Das symbolisiert den Blick in die Zukunft. Andersherum wirkt das ganze deutlich rückwärtsgewandter. Grundsätzlich hilft der Ansatz: Lass dein Bild eine Geschichte erzählen. Das macht es einfach spannender als das fünzigste wacklige Partypic.

"Frage dich, warum machst du das? Warum ist dieses Foto jetzt in diesem Moment wichtig? Was willst du damit erzielen? Und wie willst du es erzielen?"
Stefano Levi, Fotograf und Dokumentarfilmer

Die beste Fotoregel ist eigentlich ganz einfach: Sich beim Fotomachen mehr Zeit nehmen, dann verbraten wir bei der Bilderauswahl nachher nicht so viele Stunden. Die beiden Studentinnen Annika und Ruth kennen das Problem mit dem übervollen Speicher. Und ärgern sich:

"Ich habe einen Ordner, der nennt sich iPhone und da gehe ich eigentlich nie wieder dran, das ist ein unsortierter Haufen, den man sich nie wieder ansieht. Das nervt wirklich."
Annika, Studentin aus Köln