"Ich weiß, wer SPD-Kanzlerkandidat wird, sage es aber nicht." Das hat Hannelore Kraft, die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, zu Beginn der Woche gesagt. Dafür gab es viel Kritik - durchaus zu verstehen, denn Menschen, die uns Wissen vorenthalten, finden wir schnell unsympathisch.

Wenn wir ganz ehrlich sind: Wahrscheinlich haben wir alle eine Person in unserem Freundes- oder Kollegenkreis, die das genauso macht. Ganz unter dem Motto: "Ich weiß, wer mit dem Chef rumgemacht hat, aber ich sag es nicht. Streng geheim!"

Die Botschaften hinter dem Geheimnis

Wenn Menschen sagen "Hey, ich weiß was!", dann werden dadurch verschiedene Botschaften transportiert, erklärt die Psychologin Vera Maria Hesse:

  1. Ich bin schlau!
  2. Ich weiß was und ich sage es nicht - also mache ich mich selber interessant
"Man bekommt Aufmerksamkeit und eine ganz neue Position in einer Unterhaltung."
Vera Maria Hesse, Psychologin

Auf diese Weise bringe sich die Person ins Gespräch, Neugier werde geschürt, Nachfragen kommen. Wie wir am besten mit solchen Personen umgehen, hänge davon ab, ob wir neugierig sind und ein großes Interesse an der Information haben. In diesem Fall können wir die Mühe schon mal auf uns nehmen und nach der Info "wühlen und graben".

Wir können aber natürlich auch sagen: "Wenn du irgendwann den Punkt überwunden hast, wo du dich wichtig machen willst, dann kannst du mir ja dann einfach erzählen, was Sache ist. Weil so doll interessiert mich das jetzt auch nicht." Das fuchse dann das Gegenüber und sei eine mögliche Waffe in der Kommunikation.

Strategie oder Fauxpas?

Ob Hannelore Kraft der Satz, den sie diese Woche rausgehauen hat, nur rausgerutscht ist oder ob sie das absichtlich verraten hat, ist übrigens nach wie vor nicht klar.

"Bei Krafts Aussage schwingt noch eine weitere Botschaft mit: Ich weiß es. Es gibt einen Kandidaten. Seid beruhigt."
Vera Maria Hesse, Psychologin