Hirnforscher haben zwei Bungeejumper 30 Mal hintereinander in die Tiefe springen lassen, um erstmals das Bereitschaftspotenzial des Gehirns außerhalb des Labors zu messen. Die Ergebnisse könnten zum Beispiel Querschnittsgelähmten und Schlaganfallpatienten helfen, Prothesen mittels Hirnsignalen besser zu steuern.

In einer maximalen Höhe von rund 192 Metern überspannt die Europabrücke rund sieben Kilometer oberhalb von Innsbruck das österreichische Wipptal zwischen Patsch und Schönberg. Forscher der Universität Tübingen haben in der Brücke den perfekten Spot gefunden, um erstmals das sogenannte Bereitschaftspotenzial im menschlichen Gehirn außerhalb des Labors und unter Extrembedingungen zu messen. Dafür haben sie zwei Bungeejumper 30 Mal von der Brücke springen lassen.

Neurotests unter realen Bedingungen besonders schwierig

Das Bereitschaftspotenzial ist eine elektrische Aktivität. Der Neurowissenschaftler Henning Beck erklärt die mit dem Beispiel eines Bogenschützen, der einen Bogen spannt:

"Bevor ich den Pfeil abschießen kann, muss ich den Bogen aufziehen und das macht ein Gehirn quasi auch elektrisch."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Um solche Gehirnströme zu messen, müsse die Umgebung normalerweise ziemlich ruhig gehalten werden. Schon die kleinste Bewegung, selbst ein Augenrollen, beeinflusse die Genauigkeit der Messsignale, so Henning Beck. Darum finden solche Tests eigentlich unter standardisierten, vereinfachten Bedingungen im Labor statt. Die Frage sei aber: Ist das, was im Labor gemessen wird, tatsächlich auch in der Wirklichkeit der Fall?

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Die Tests mit den Bungeejumpern haben das jetzt als eine der ersten Experimente bestätigt. "Wenn ich draußen bin, sind diese Signale immer noch da“, so der Neurowissenschaftler. Das Experiment der Uni Tübingen sei aber auch deshalb so spannend, da sich der Körper bei Bungeejumping besonders in Bereitschaft bringen müsse, da ein Sprung in die Tiefe große Überwindung koste, so Beck. Die Ergebnisse helfen im Alltag, besser zu verstehen, wie ein Gehirn solche Bereitschaftspotenziale nutzt.

"Das ist wichtig, um Gehirn-Computer-Schnittstellen zu entwickeln, mit dem Gehirn zum Beispiel einen Armroboter zu steuern."
Henning Beck, Neurowissenschaftler