Drei Forschende von der Yale University haben neue Erkenntnisse über den Flow-Zustand gewonnen und eine Formel dafür aufgestellt. Wichtig ist dabei, dass wir wissen, wofür wir etwas tun, also welches Ziel wir erreichen wollen, und dass wir einen Fortschritt erkennen.

Makramee knüpfen, malen oder mähen: Wir beginnen eine Tätigkeit, vertiefen uns darin, sie geht uns sehr leicht von der Hand, sozusagen spielerisch, und plötzlich stellt sich eine tiefe Zufriedenheit ein. Ein Glücksgefühl, das ausgelöst wird, weil wir komplett in den Moment eintauchen und uns eins mit der Handlung und unserer Umwelt fühlen. Dieser Zustand wird Flow genannt.

"Zwei Sachen sind entscheidend: Siehst du deinen Fortschritt, weißt du wofür du etwas tust, sprich: Kriegst du auch mit, dass du etwas bewirkst? Und zum zweiten: Kennst du deine Möglichkeiten? Mit dem, was du kannst, kannst du da dieses gewünschte Ziel auch erzielen? Diese Mischung ist entscheidend."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Früher war die Annahme, dass wir uns im Flow fühlen, wenn wir etwas tun, das weder zu herausfordernd, noch zu einfach ist. Eine Tätigkeit, die sich in unserem Sweet Spot befindet: Es fällt uns leicht und wir sind sehr effektiv darin, diese Handlung auszuführen.

Drei Psychologen von der Yale Univesity haben nun aber festgestellt, dass die Tätigkeit gar nicht so anspruchsvoll sein muss. Auch einfachste Handlungen können uns in den Flow versetzen.

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Die Formel für den Flow

Oft wünschen wir uns sogar, dass sich der Flow einstellt, wenn wir etwas tun, was uns nicht so leicht von der Hand geht. Zum Beispiel, wenn wir lästige Pflichten im Haushalt erledigen wie das Treppenhaus zu putzen oder Staub zu wischen.

Drei US-amerikanischen Forschende von der Yale University haben den Flow-Zustand in einem Versuchsaufbau untersucht. Mithilfe ihrer Studienergebnisse haben sie Parameter festgelegt, die erfüllt sein müssen, damit sich ein Flow einstellt. Diese Variablen haben es den Forschenden ermöglicht, eine mathematische Formel für den Flow aus ihren Ergebnissen abzuleiten.

Ziel: abnehmen, Mittel zum Erfolg: joggen

Als Beispiel nennt einer der Psychologen Fitnesstraining. Dabei müssen zwei Parameter erfüllt sein, damit wir in den Flow kommen können. Zum einen, benötigen wir ein erwünschtes Ziel vor Augen.

In einem Beispiel wird als Ziel der Wunsch genannt, etwas über zwei Kilogramm abzunehmen. Der zweite Parameter ist dann, dass wir eine Fähigkeit besitzen oder ein Mittel zur Verfügung haben, das uns hilft, dieses Ziel zu erreichen: zum Beispiel Joggen.

Wenn wir nun innerhalb eines bestimmten Zeitraums sehen, dass wir Fortschritte machen, kann uns das in einen Flow-Zustand versetzen, fasst Neurowissenschaftler Henning Beck die Forschungsergebnisse zusammen.

Erwartungsmanagement und Ergebnismanagement

Damit wir uns im Flow fühlen können, sollte es eine Tätigkeit sein, bei der das Ergebnis greifbar sehen können. Je konkreter und messbarer das Ziel - und damit auch der Nutzen - meiner Tätigkeit, desto wahrscheinlicher der Flow, erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck das Prinzip.

Um es zu veranschaulichen: Einen Kuchen zu backen oder ein Bild zu malen, würde nach dieser Theorie eher einen Flow erzeugen, als die Steuererklärung zu machen. Denn in dem einen Fall gibt es ein greifbares Ergebnis, den Kuchen, in dem anderen Fall stehen nur ein paar Zahlen auf einem Papier.

"Du kommst immer dann in den Flow, wenn du etwas tust und dann siehst du in einem ganz speziellen, kurzen Zeitfenster: Oh, ich hab etwas geschafft. Das wird dann zur Keimzelle für den nächsten Schritt."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Im Alltag nutzen wir die Ideen, die hinter diesen Forschungsergebnissen stecken, bereits oft schon: Immer wenn wir unseren Leistungsfortschritt in irgendeiner Form dokumentieren und damit sichtbar machen, wird das Prinzip angewendet, das hinter der Formel steckt, die die Forschenden aufgestellt haben: beispielsweise, wenn wir Fitnesstracker nutzen oder Geschafftes in To-Do-Listen dokumentieren.

"Grundsätzlich kann es helfen, dass man sich immer deutlich macht, auch wirklich visualisiert: zum Beispiel aufschreibt oder markiert, was man geschafft hat."
Henning Beck, Neurowissenschaftler