Maurice kann nicht so gut mit Geld umgehen. Am Monatsende kann es bei ihm schon mal knapp werden. Bei Online-Käufen kann "Buy now, pay later" schnell zur Schuldenfalle werden. Einen besseren Umgang mit Geld kann man aber lernen.
Diese eine teure Jacke hätte nicht unbedingt sein müssen, sagt Maurice. Eigentlich hat er schon ziemlich viele Jacken im Schrank hängen.
Für Klamotten, Essen gehen, Konzerte, Partys und Urlaube gibt Maurice am meisten Geld aus. Er gönnt sich gerne was. Ein Blick auf sein Konto zeigt ihm aber: Manchmal könnte es etwas weniger Gönnung sein.
"Am Ende des Monats denke ich mir manchmal: Nee, Maurice, du musst im nächsten Monat echt ein bisschen darauf achten, wofür du dein Geld ausgibst und vielleicht auch mal lernen, Nein zu sagen."
Maurice ist 22 Jahre alt und studiert. Er bekommt Bafög, Kindergeld und von seinen Eltern noch was dazu. Seit Kurzem hat er einen Nebenjob. Er sagt über sich selbst, dass er nicht so gut mit Geld umgehen kann. Maurice ist gerne spontan. Er mag es, unterwegs zu sein und kann teilweise schwer nein sagen.
Wenn er zum Beispiel vor der Entscheidung steht, sich Karten für ein Konzert zu holen oder nicht, wählt er lieber das Konzert. "Ich sage mir: Dann gibst du nächsten Monat nicht so viel Geld aus und dafür hast du einen tollen Kurztrip oder ein tolles Konzert", erklärt Maurice.
Unsichtbare Schuldenfalle
Beim Online-Shoppen war "Buy now, pay later" für ihn ein großes Problem, sagt er. Also die Möglichkeit, über verschiedene Anbieter online heute etwas zu kaufen und es dann erst in 30 oder 60 Tagen zu bezahlen.
Diese Funktion ist umstritten. Denn: Bei jungen Menschen ist sie die beliebteste Schuldenfalle, sagt Sozialforscher Kilian Hampel von der Uni Konstanz. Er hat an der Studie "Jugend in Deutschland" mitgearbeitet. Die hat gezeigt, dass jede*r Fünfte im Alter zwischen 14 und 29 Jahren Schulden hat. Darunter fallen Schulden bei Anbietern von "Jetzt kaufen, später bezahlen", geliehenem Geld bei Freund*innen und Familie, aber auch Studienkredite.
"Die beliebteste Schuldenfalle bei jungen Menschen ist derzeit das 'Buy now, pay later'-Modell, was sinnbildlich für Klarna steht."
Die Schuldenfallen sind heute oft unsichtbar geworden, sagt Kilian Hampel, besonders für Jüngere. Etwas heute zu kaufen und es dann aber irgendwann später zu bezahlen, vermittle das Gefühl, etwas zu bekommen, wofür man erst mal nicht aufkommen muss.
Social Media spielt hier auch mit rein. Durch Videos von Shopping-Hauls zum Beispiel oder einem vermeintlichen Luxuslebensstil können wir uns schnell mit anderen vergleichen. Solche Beiträge können Druck machen, auch so leben zu müssen, obwohl das Geld nicht dafür da ist.
Die aktuelle Lage der Welt – Kriege, Konflikte, die Klimakrise – habe ebenfalls einen Einfluss auf den Umgang mit Geld. Es gibt diejenigen, die darauf mit Sparen und Vorsorgen reagieren. Stichwort: Rente. "Da sagen viele: Ich muss sparen, ich muss was zur Seite legen und dafür selber aufkommen, weil es der Staat nicht für mich tut", so der Sozialforscher. Bei anderen löse der Blick auf Krisen und Konflikte eher den Wunsch aus, im Hier und Jetzt zu leben. Die Zukunft ist zu ungewiss.
Mit Geld umgehen lernen
Auf Social Media zeige sich aber auch, dass mehr über das Thema Schulden und Geld gesprochen werde. Wer damit Probleme hat, kann dort sehen, dass es anderen ähnlich geht. Man ist nicht alleine.
Wie groß das Tabu sein kann, über den eigenen Umgang mit Geld zu sprechen, kennt Susanne Gutzeit von ihrer Arbeit. Sie ist Systemische Beraterin, arbeitet bei der Suchtberatung der Caritas Düren und hat den Verein "Kaufsucht" gegründet. "Menschen, die Probleme haben, gut mit Geld umzugehen, schämen sich oft dafür, weil sie denken: Es ist eine Fähigkeit, die ich nicht habe", sagt sie.
"Manchmal habe ich den Eindruck, ist es einfacher über Sex zu sprechen als über Geld, weil es wirklich schambehaftet ist."
Warum jemandem der Umgang mit Geld schwerfallen kann, dafür gebe unterschiedliche Gründe. Einmal sind wir ständig von Kaufanreizen umgeben, erklärt Susanne Gutzeit. Online steht uns jederzeit alles zur Verfügung. Das Einkaufen wird uns möglichst einfach gemacht: Es braucht nur wenige Klicks und im letzten Schritt kommen dann "Buy now, pay later" oder Ratenkäufe hinzu.
Wie wir mit Geld umgehen, ist auch eine Frage unserer Persönlichkeit. Sind wir eher impulsiv oder handeln wir durchdacht? Verbinden wir Geld mit Sicherheit und haben eher Probleme, welches auszugeben oder nutzen wir Konsum als Belohnung?
"Bei manchen ist es wichtiger, die Sachen zu haben, als daran zu denken, wie bezahle ich das jetzt?"
Aber auch der Umgang mit Geld ist eine Fähigkeit, die man anpassen kann, sagt Susanne Gutzeit. Erste Schritte sind zum Beispiel:
- Distanz aufbauen: 24 Stunden warten, bevor wir etwas kaufen. Wenn wir zwischen dem Impuls etwas haben zu wollen und dem tatsächlichen Kauf Zeit legen, kann das helfen. So geben wir uns die Chance, am nächsten Tag mit einer anderen Stimmung auf den Kauf zu blicken und uns zu fragen: Brauche ich das wirklich?
- Ausgaben aufschreiben: So machen wir uns klar, wofür wir unser Geld ausgeben. Hier kann sich auch zeigen, was wir besonders oft kaufen, zum Beispiel Kleidung, Möbel, Deko. Hier können wir uns bewusst machen, was wir davon schon haben und wir greifen dann erst mal darauf zurück, statt was Neues zu holen.
- Sparziele setzen: Wenn wir sehen, dass wir in einem Spartopf Geld ansammeln oder wir Schulden abbauen, kann das motivieren, weiter zu sparen.
- Kaufanreize verhindern: Newsletter abbestellen, bestimmte Apps löschen, auf "Buy now, pay later" verzichten.
In der Podcast-Folge geht Susanne Gutzeit auch noch darauf ein, wie wir Menschen in unserem Umfeld unterstützen können, die nicht gut mit Geld umgehen können und welchen Einfluss sie wiederum auf uns haben können. Klickt dafür oben auf den Play-Button.
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