Online-Shopping ist bequem, kann aber auch ziemlich überfordern. Es gibt Angebote über Angebote, eins scheint besser als das andere – und wir verlieren schnell den Überblick. Wie wir ihn behalten und unsere Kaufentscheidung am Ende nicht bereuen.
Online-Portale, die sich eine Rabattschlacht nach der nächsten liefern, lassen uns oft verzweifelt zurück. Bei dem riesigen Angebot im Netz ist es nicht einfach, eine Kaufentscheidung zu treffen, findet zum Beispiel Selina aus Köln: "Ich bin sehr überfordert von der Flut an Sachen, die man so kaufen kann. Es gibt ja von allem tausendfache Auswahl."
Warum zu viel Auswahl überfordert
Je mehr Auswahl wir haben, desto schlimmer ist das für uns, weil wir früher – die evolutionäre Entwicklung betrachtet – nicht so viele Optionen hatten. Das ständige Vergleichen und Bewerten überfordert das Gehirn, sagt Psychologin Rosalie Weigand. Der Fachbegriff dafür lautet Choice Overload. "Das bedeutet: Eine starke mentale Belastung durch diese unterschiedlichen Optionen", erklärt sie.
"Das führt dazu, dass unser Gehirn überfordert ist – je mehr wir vergleichen müssen, je mehr wir bewerten müssen oder auch abwägen müssen."
Jede einzelne Option, die hinzukommt, erhöhe den Druck, die perfekte Entscheidung zu treffen. Und die Angst, dass wir uns falsch entscheiden, wachse, ergänzt sie.
Online gibt es keine (Shopping-) Grenzen
Noch ein Problem: Online-Shopping ist 24/7 möglich. Geschäfte dagegen haben Öffnungszeiten - und Schließzeiten - außerdem ein begrenztes Warenangebot. Online gibt es keine Grenzen. Unser Gehirn versucht, das alles einzuordnen und verliert dann irgendwann den Überblick.
"Das führt dann dazu, dass Menschen entweder stundenlang damit verbringen und in so eine Art Rabbit Hole geraten", erklärt Rosalie Weigand, "oder, dass sie impulsiv einfach irgendwas kaufen, um diese innere Spannung loszuwerden."
Sich überlegen, was man wirklich braucht
Gegen diese Shopping-Überforderung hilft, sich vorher Gedanken zu machen, was wir tatsächlich brauchen. Tipps, wie wir strukturiert vorgehen können, hat Anne Neumann von der Verbraucherzentrale Sachsen. Bevor wir uns auf die Shopping-Portale stürzen, sollten wir uns folgende Fragen stellen:
- Wie hoch ist mein Budget?
- Welche zwei bis drei Eigenschaften muss das Objekt haben, das ich suche?
- Wieviel Zeit nehme ich mir für das Online-Shopping? (Beispiel: Nach einer halben Stunde muss man sich für etwas entschieden haben.)
So setzen wir uns Grenzen und schützen uns vor Überforderung durch die vielen Angebote der Shopping-Portale.
Zufrieden mit der eigenen Kaufentscheidung sein
Die nächste Herausforderung ist allerdings: Wenn wir uns entschieden und etwas gekauft haben – wie schaffen wir es, damit zufrieden zu sein und nicht noch weiter über die anderen Optionen nachzudenken? Positive Erlebnisse helfen dabei, sagt Rosalie Weigand. "Also das Produkt direkt verwenden, sich drüber freuen. Dann denkt man auch nicht mehr über die anderen Optionen nach."
Fehlkauf innerhalb der Frist umtauschen
Und wenn es doch mal ein Fehlkauf war – umtauschen. Anne Neumann verweist auf unser Rückgaberecht. Mindestens 14 Tage können wir unser Produkt zurückschicken und dann eventuell ein günstigere Angebot kaufen – oder etwas ganz anderes.
