Die Inflation ist hoch und die Lebensmittelpreise steigen ebenfalls. Einer neuen Umfrage nach kaufen Menschen in Deutschland daher weniger Fleisch und Fisch. Tobias Jetzke, Zukunftsforscher am Institut für Innovation und Technik, erklärt, wie nachhaltig diese Veränderung ist.

Eine Umfrage des Magazins Chrismon hat ergeben, dass aktuell 42 Prozent der Deutschen weniger Fleisch und Fisch essen als sonst. Der Grund für dieses Ergebnis ist, dass mit den gestiegenen Lebensmittelpreisen natürlich auch die Preise für tierische Produkte steigen.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Fleisch und Fisch Lebensmittel sind, auf die wir im Zweifelsfall verzichten.

"Preis ist ein ganz wichtiges Entscheidungskriterium bei Lebensmitteln im Allgemeinen."
Tobias Jetzke, Zukunftsforscher am Institut für Innovation

Tobias Jetzke, Zukunftsforscher am Institut für Innovation, sagt, dass es für Konsument*innen aber vielfältigere Faktoren dafür gibt, dass weniger Fleisch und Fisch gegessen werden.

Diese Faktoren spielen bei der Entscheidung eine Rolle

Der Preis bei Lebensmitteln in Deutschland sei ein sehr wichtiger Entscheidungsgrund, erklärt Tobias Jetzke.

Als weitere Gründe auf Fleisch zu verzichten, nennt er:

  • Ökologische Faktoren: Um die Umwelt zu schützen, verzichten wir auf Fleisch. Dahinter kann zum Beispiel ein Interesse stehen, etwas gegen den Klimawandel tun zu wollen.
  • Gesundheitliche Gründe: Wir wollen durch die Ernährungsänderung eine gesündere Lebensweise integrieren. Vegetarier*innen haben ein geringeres Risiko für Übergewicht und die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus Typ 2. Auch Herz-Kreislauf-Probleme treten seltener auf.
  • Tierwohl: Wir wollen nicht daran beteiligt sein, dass Tiere getötet werden für unsere Nahrung. Oder wir möchten keine Massentierhaltung unterstützen.

Inwieweit diese Gründe neben dem Preis eine Rolle spielen, sei sehr individuell, soTobias Jetzke.

Zukunft für Konsum tierischer Produkte

Falls die Preise für Fleisch und Fisch wieder sinken, könne es aber zu einem Nachholeffekt beim Kauf von tierischen Produkten kommen, erklärt Tobias Jetzke. Diesen Nachholeffekt sehen wir zum Beispiel aktuell bei Flugreisen. Sie werden jetzt wieder viel stärker nachgefragt, weil während der Hochphase der Pandemie keine Reisen möglich waren. Bei Fleisch und Fisch wäre ein mögliches Szenario, dass noch mehr davon gegessen würde, als vor der Preissteigerung.

"Ein für mich wünschenswertes Zukunftsbild wäre, dass sich der Fleischkonsum lieber schneller als langfristiger auf 30 Kilogramm pro Kopf reduziert."
Tobias Jetzke, Zukunftsforscher am Institut für Innovation

Tobias Jetzke wünscht sich aber, dass es diesen Nachholeffekt nicht geben wird. Ganz im Gegenteil wäre es seine Traumvorstellung, dass schnell der Fleischkonsum von jetzt 55 Kilogramm pro Kopf auf 30 Kilogramm pro Kopf sinken würde. Dazu, sagt er, müsse aber die Fleischindustrie mehr in Fleischersatzprodukte investieren.

  • Moderatorin:  Niklas Potthoff
  • Experte:  Tobias Jetzke, Zukunftsforscher am Institut für Innovation und Technik in Berlin