Seit der Corona-Krise brechen der Musikbranche große Einnahmequellen weg. Dafür wird Musik immer mehr gestreamt – zum Nachteil der unbekannten und kleinen Künstler. Selbst deren eigene Idee wird an der Situation vermutlich nichts ändern.

Die Streamingdienste Spotify, Apple Music und Deezer dominieren auch in Deutschland immer mehr die Musikindustrie. Im Pandemie-Jahr 2020 hat das Musikstreaming 64 Prozent des Gesamtumsatzes der Musikindustrie in Deutschland ausgemacht. Der Konsum von CDs ist dagegen auf 20 Prozent gesunken. Vor allem für lokale und unbekanntere Künstlerinnen und Künstler ist das eine ungünstige Entwicklung, da sie am Streaming deutlich weniger verdienen als am CD-/Platten-Verkauf oder Konzerttickets.

Deshalb haben sich vor allem Indie-Musikerinnen und -Musiker zusammengetan, um eine faire und transparente Verteilung der Einnahmen von Spotify zu fordern.

Was übrig bleibt, landet bei den Künstlern

Wie viel Musiker derzeit bei Spotify verdienen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Der oft zitierte Wert von 0, 38 Cent pro Stream ist dabei nur ein Durchschnittswert. Darüber hinaus spielen die Streams pro Monat und die Anzahl an Werbeeinnahmen von Spotify eine Rolle.

Ein weiterer Faktor, über den auch viele Bands nur ungerne detailliert sprechen, ist der Anteil, den die Labels einbehalten. Je nach Vertrag kann es sein, dass danach nur noch die Hälfte an die Musikerinnen und Musiker weitergegeben wird.

"Das Label gibt je nach Vertrag nicht mal mehr die Hälfte der Streaming-Einnahmen an die Künstler*innen weiter."
Ina Plodroch, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Band Nosovo hat es uns vorgerechnet: Sie kommt monatlich auf circa 140.000 Streams auf allen Plattformen. Am Ende bleiben 400 Euro übrig.

Dauerstreamen für die Lieblingsmusikerin hilft nicht

Aufgeteilt wird das Geld von Spotify aber nicht – wie häufig angenommen – nach der genauen Anzahl der Streams der jeweiligen Künstler. Es bringt also nur wenig, seine Lieblingsband in Endlosschleife laufen zu lassen.

Dagegen wird nach dem Pro-Rata-Abrechnungsmodel abgerechnet. Dafür werfen die Streamingdienste jeden Monat ihre Werbe- und Abo-Einnahmen in einen Topf, behalten einen Anteil für sich und teilen den Rest auf die Musikerinnen und Musiker auf. Das geschieht anteilsmäßig.

Ein Rechenbeispiel: Wenn Taylor Swift in einem Monat eine Milliarde mal gestreamt wurde, sind das zum Beispiel drei Prozent aller Streams. Das bedeutet, dass sie drei Prozent aus dem Einnahmentopf für die Kunstschaffenden erhält.

Nutzerorientierte Zahlungsmodelle

Künstlerinnen und Künstler mit der Initiative "Justice at Spotify" fordern ein anderes Bezahlmodel. Das bedeutet, dass das Abo-Geld einer Hörerin nach Abzug von Streamingdienst und Label direkt an die Musikerinnen und Musiker fließen sollen, die diese auch wirklich hört. Die Bezahlung wäre individueller, weniger anteilig.

Ein ähnliches System hat Soundcloud vor zwei Monaten eingeführt. Jedoch nur für unabhängige Musiker und Musikerinnen, die ihre Songs ohne Label direkt auf Soundcloud vertreiben. Da die meisten Musiker allerdings unter Vertrag sind, sieht Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ina Plodroch darin eher einen "netten Versuch" von Soundcloud, sich ein faireres Image zu verpassen.

Deezer versucht bereits seit zwei Jahren ein nutzerorientiertes System zu starten, jedoch laufen die Verhandlungen mit den Labels immer noch.

Die Labels sollen es entscheiden

Spotify sieht das etwas anders und steht den verschiedenen Modellen eher neutral entgegen. Michael Krause, der Europachef von Spotify erklärt, dass sich bei einer Modeländerung erstmal alle Marktteilnehmer einig sein müssten. Er sagt, dass das Geschäftsmodel von Spotify an sich nicht die Ausschüttungsart verändere.

"Wenn das gesamte Modell geändert werden soll, müssen sich erstmal alle Marktteilnehmer einig sein, dass das auch ein neues Modell ist, das alle auch verfolgen wollen."
Michael Krause, Europachef von Spotify

Es hänge laut Michael Krause letztendlich an den Musiklabels und Musikverlagen, also an den Rechteinhabern der Musik.

Support your local artists

Ob sich mit einem nutzerorientierten Zahlungsmodel wirklich mehr Geld für kleinere Bands ergibt, ist fraglich. Womöglich werden Stars wie Drake und Taylor Swift noch mehr verdienen als sie es jetzt schon tun. Und eine kleine Indieband, die auch nicht so häufig gestreamt wird, wird weiterhin eher wenig an den Streams verdienen. Das deuten auch Studien an.

Es bleibt den Fans also nichts anderes übrig als ihre Lieblingsband mit den Oldschool-Varianten zu unterstützen: CDs, Platten, Merchandise und vielleicht bald auch wieder Konzertkarten.