Der traurige Smiley ist Geschichte: Youtube und die Gema haben sich geeinigt. Und wir Nutzer haben endlich nicht mehr das Gefühl beim Schauen von Youtube-Videos ständig eine Niete zu ziehen. Und für die Musiker springt auch etwas dabei raus.

Wir gestehen: wir haben diese Sperrtafeln echt nicht leiden können. Tatsächlich waren sie aber nie ein Zeichen des vermeintlichen Spielverderbers, der Gema - der "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte". Sondern sie zeigten, dass die vertragliche Grundlage zwischen Gema und Youtube fehlte. Andere Anbieter wie Clipfish oder Myvideo hatten diese bereits erreicht.

Ciao Sperrtafel, wir werden dich nicht vermissen

Insgesamt sieben Jahre dauerte die Auseinandersetzung zwischen Youtube und der Gema. Für Musikfans waren das harte Zeiten. Etwa wenn in den USA das brandneue Video vom Lieblingskünstler gehypt wurde, gingen wir in Deutschland leer aus. Oder mussten einige Umwege in Kauf nehmen, wie wir den Clip doch sehen konnten.

Angefangen hatte das alles 2009: Nachdem ein alter Lizenzvertrag zwischen beiden Parteien auslief, wurden die Sperrtafeln eingesetzt. 2014 musste Youtube den alten Text auf den Tafeln streichen, denn er suggerierte die Gema sei aktiv an der Sperrung beteiligt gewesen. Seitdem stand hier nur noch: "Dieses Video ist leider nicht verfügbar, da es Musik enthält, über deren Verwendung wir uns bisher mit der Gema nicht einigen konnten." Bei dem Streit ging es also auch um Geld.

Weiter unklare Rechtslage

Die Gema vertritt etwa 70.000 Rechteinhaber aus Deutschland. Ziel ist es, als Verwertungsgesellschaft die Nutzungsrechte ihrer Mitglieder zu vertreten. Also für Musiker, Komponisten, Musikverleger Beiträge zu verwalten, die fällig werden, wenn ihre Musik öffentlich genutzt wird. Das gilt für Partys genauso wie für Onlinebeiträge. In Bezug auf Videoplattformen aber ziemlich kompliziert. Unklar ist vor allem, wer die Musik nun verbreitet: Sind das die Musiker oder ist das die Plattform selber?

"Wir hängen vom Goodwill ab. Wir wollen aber eigentlich, dass nicht nur Youtube, sondern alle Plattformen wirklich juristisch verpflichtet sind, in solche Vertragsverhältnisse einzugehen."
Enjott Schneider, Aufsichtsratsvorsitzender der Gema

Genau genommen musste Youtube sich aufgrund dieser unklaren Rechtslage auf keinen Deal einlassen. Dass es jetzt zur Einigung gekommen ist, hat mit dem Entgegenkommen beider Seiten zu tun. Erst im Januar war eine Klage der Gema abgewiesen worden, bei dem 0,375 Cent pro Musikvideoabruf veranschlagt worden waren. Von daher sei die Gema Youtube vermutlich finanziell entgegen gekommen, spekuliert die FAZ. Über die genauen Vertragsbedingungen ist aber Stillschweigen vereinbart worden.

Das heißt: Seit heute Morgen ist Youtube sperrungsfrei. Und auch Musiker können sich auf eine schöne Nachzahlung freuen. Die Einigung für die Gema gilt nämlich nicht nur für alle zukünftigen Abrufe und Uploads, sondern auch für die letzten sieben Jahre wird eine Abschlagszahlung fällig.

Fast alle glücklich

Alle Probleme sind mit dieser Einigung nicht geklärt. Etwa, wenn bestimmte Künstler und Musikverleger nicht Mitglied der Gema sind. Auch eine politische Grundsatzentscheidung zum Urheberrecht steht aus. Ganz ohne Sperrungen werden wir auf Youtube also nicht auskommen - es gibt ja immer noch das Geoblocking. Aber das ist ein Thema für einen anderen Tag. Heute wird erstmal Musik gesurft.