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Kerzenlicht, eine Tasse Tee und knisterndes Kaminfeuer: Gerade im Winter schätzen wir die skandinavische Gemütlichkeit. Aber geht es dabei nur um Äußerlichkeiten? Was Hygge genau bedeutet, und ob es dafür ein Geheimrezept gibt, besprechen wir in dieser Ab 21.

Wer das Gefühl hat, sein Leben sei gerade zu ungemütlich, der sollte sich den Insta-Feed von Vanni anschauen: Kerzen, Decken und Zimtschnecken soweit das Auge reicht. Ihre Wohnung ist ein Hygge-Interieur-Traum. Als Kind ist Vanni mit ihren Eltern oft nach Norwegen gefahren und war beeindruckt von der dortigen Herzlichkeit: "Dieses Feeling habe ich im Herzen mitgenommen."

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Mit ihrem Instagram-Account möchte sie auch eine Inspiration für andere Menschen sein, das norwegische Gefühl in ihre vier Wände einziehen zu lassen. "Hygge kann vieles sein: Kerzen anzünden, durch die Natur laufen oder mit der Familie lecker zu essen."

Den Trend um das Hygge-Gefühl kann Vanni zwar verstehen, kritisiert aber seine Vermarktung: "Früher war das noch ein kleiner süßer Begriff, und jetzt gibt es sogar im Supermarkt Hygge-Kerzen." Ihr ist auch bewusst, dass sie mit ihrem Account zur Kommerzialisierung beiträgt, weil sie als Influencerin von Kooperationen und Werbung finanziell profitiert – allerdings sei sie schon seit der Trend-Stunde-Null dabei.

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Dass sich ihr Einrichtungsstil irgendwann ändert, kann Vanni sich schon vorstellen. Mit dem eigentlichen Hygge-Gefühl will sie sich aber treu bleiben.

Zwischen einem gemütlichen Zuhause und Realitätsverklärung

Wenn Journalistin Clara Ott den Begriff Hygge hört, bekommt sie eher Brechreiz als glänzende Augen. Nicht nur, weil der Trend omnipräsent ist, sondern weil sie ihn unrealistisch findet: "Es ist ein Ausdruck für die einfachen Freuden des Daseins, das klingt schon sehr kitschig." Vor drei Jahren hat sie dazu einen Text geschrieben, Hygge ist nichts als eine schöne Realitätsflucht, heißt es da.

Dabei, betont die Journalistin, dass sie nichts gegen eine schön eingerichtete Wohnung und gemütliche Atmosphäre habe, es gehe ihr mehr um einer Verklärung der Welt, die die Hygge-Mentalität mit sich bringe: "Keine Konflikte ansprechen, keine Erwartungen haben, während man zusammen auf der Kuscheldecke sitzt - und man soll sich nicht mit anderen Menschen vergleichen, weil das unzufrieden macht."

"An Hygge finde ich störend, dass die Realität ausgeblendet wird."
Clara Ott, Journalistin

Nicht jeder Mensch habe genügend Geld, sich ein hyggeliges Zuhause zu leisten, das störe Clara an dem skandinavischen Trend. Das Bedürfnis nach einem sicheren Rückzugsort, an dem sich alle wohlfühlen, kann sie aber besser verstehen, seit die Pandemie begonnen hat: "Der Mensch hat ein großes Bedürfnis in der Angst und Unsicherheit, sich ein schönes zu Hause zu machen."

Wir müssen selbst rausfinden, was Hygge für uns bedeutet

Das "eine" Rezept zum Hygge-Lebensgefühl gebe es nicht, sagt Stefan Peters. Er bezeichnet sich selbst als Möchtegern-Skandinavier und schreibt auf seinem Blog über verschiedene Aspekte des nordischen Lebens. Warum Hygge viel mehr ist, als sich in eine Wolldecke einzuwickeln und sich eine Kerze anzuzünden, erzählt er uns im Podcast.

Was ist eigentlich Hygge?

  • Das Wort "Hygge" hat seinen Ursprung in der norwegischen Sprache und ist seit dem 18. Jahrhundert auch in der dänischen Sprache zu finden. Es hat eine Bedeutung wie das deutsche Wort "Wohlbefinden" und ist in Dänemark zu einem wichtigen Bestandteil der Kultur geworden.
  • Hygge taucht in jedem Teil des Lebens auf und bedeutet, dass eine gemütliche, herzliche Atmosphäre geschaffen wird, oft auf der Basis von Kerzenlicht. Zum Beispiel benötigen die Menschen in Dänemark etwa sechs bis acht Kilo Kerzen pro Jahr, in Deutschland sind es durchschnittlich nur zwei bis drei Kilo.
  • Typisch für den Hygge-Lebensstil sei es, sich auf die kleinen Dinge des Lebens zu konzentrieren, die aber eine große Wirkung haben können: Gemeinsame Zeit mit lieben Menschen verbringen, die Familie sehen und die guten Dinge des Lebens genießen.
  • Bei einer YouGov-Umfrage 2017 fanden nur acht Prozent der Befragten, dass das Wort Hygge in den Duden aufgenommen werden muss. Anders sieht das Interesse auf Instagram aus: Unter #hygge finden wir fast sieben Millionen Beiträge mit Teetassen, gemütlichen Wohnungen und Kaminfeuer.