Im englischsprachigen Raum interessiere Gendern niemanden, hieß es in einem der 500 Facebook-Kommentaren zu unserem Gender-Star-Beitrag. Stimmt. DRadio-Wissen-Reporterin Eleonora Pauli hat sich gendergerechte Sprache in anderen Ländern genauer angesehen.

Nach 500 Facebook Kommentaren zu unserem Gender-Star-Beitrag wollten wir wissen, wie das Ausland mit geschlechtsneutraler Sprache umgeht: Im Englischen werden viele Berufsbezeichnungen für alle Geschlechter verwendet. Zum Beispiel "Cook" oder "Worker". DRadio-Wissen-Reporterin Eleonora Pauli hat uns das genauer erklärt: Ausnahmen bilden Bezeichnungen aus der Seefahrt. Aus dem "Pirat" wird schon mal die "Piratess".

"Das Englische ist grammatikalisch per se erst mal ziemlich neutral."
Eleonora Pauli ist Deutsch-Italienerin. Sie hat italienische und englische Sprachwissenschaften studiert

Gendern im Englischen

Die englische Sprache sucht nach geschlechtsneutralen Alternativen - für männliche genauso wie für weibliche Bezeichnungen:

  • der "Policeman" wird zum geschlechtsneutralen "Policeofficer"
  • die "Stewardess" wird zu zum geschlechtsneutralen "Flight attendant"

Gendern im Italienischen

Obwohl es im italienischen Wikipedia keinen Eintrag zu genderneutraler Sprache gibt, kämpfen die Italiener für die linguistische Gleichberechtigung. Eleonora Pauli hat sich das genauer angeschaut. Viele Berufsbezeichnungen öffentlicher Berufe haben nur eine männliche Form. Zum Beispiel der Beruf "der Anwalt" - "L’Avocato".

"Im Italienischen ist mir ein Binnen-I oder der Gendergap noch nicht aufgefallen."
Sprachwissenschaftlerin Eleonora Pauli

Eine Anwältin wäre in diesem Beispiel "L’Avocato Sonja Meschkat". Streng genommen bedeutet das aber "der Anwalt Sonja Meschkat". Um dieses Problem zu lösen, soll es aber schon eine Empfehlung vorliegen, erklärt Eleonora Pauli: Das Handbuch für einen respektvollen Umgang mit der weiblichen Spezies. Dieser Leitfaden empfiehlt an die Berufsbezeichnungen einfach ein "a" zu hängen. Sprich: "L’Avocata Sonja Meschkat".

Aus Polen berichtet Eleonora Pauli, dass dort im Plural die männliche Form dominiert. Ein Sternchen, Gendergap oder Binnenbuchstaben gibt es dort nicht.

"Vielleicht ist die Diskussion typisch deutsch, aber das Phänomen spielt in vielen Sprachen eine Rolle. Es ist halt einfach unterschiedlich, was aus diesen Ungleichheiten in der Sprache gemacht wird."
Eleonora Pauli ist Deutsch-Italienerin. Sie hat italienische und englische Sprachwissenschaften studiert.

Gendern im Französischen

Im Französischen ist es gemischt: Dort werden männliche Berufsbezeichnungen benutzt, aber auch Binnenbuchstaben oder Klammern. Spannend sind kreative Wortneuschöpfungen: "Bei denen wird eine Art Transgender gebildet", erklärt Eleonora Pauli. "Statt 'Chanteuse oder Chanteur', also 'Sängerinnen und Sänger', gibt es einen Plural, der 'Chantereuse oder Chanteuseur' lautet."