Gendergerechte Sprache in Schweden

Geschlechtsneutrales Personalpronomen "hen" verändert Einstellungen

Für die Gleichberechtigung der Geschlechter hat Schweden das geschlechtsneutrale Personalpronomen "hen" eingeführt. Eine Studie zweier US-amerikanischer Politikwissenschaftler zeigt, dass die Benutzung des Pronomens persönliche Einstellungen verändern kann: Frauen und Menschen der LGBTQ+-Community werden positiver wahrgenommen.

Seit 2015 gibt es auf Schwedisch ganz offiziell nicht nur das Wort "han" – auf Deutsch "er" – und "hon" für "sie" – sondern auch die genderneutrale Variante "hen". In einer Studie haben Margit Tavits von der Washington University und ihr Kollege Efrén O. Pérez von der University of California herausgefunden, wie groß der Einfluss des geschlechtsneutralen Personalpronomens auf das Denken und die Einstellungen der Menschen ist, die es verwenden.

Rund 3.400 Probanden sind im Rahmen dieser Studie befragt worden. Dabei wurde ihnen vorab nicht gesagt, worum es in der Studie eigentlich ging, um die Antworten nicht durch den Effekt der "sozialen Erwünschtheit" zu verzerren. Die Probanden glaubten, es ginge um Wahrnehmungs-Effekte und Kreativität.

Eine Geschichte mit drei Varianten

Zunächst wurde ihnen eine Figur mit einem Hund an der Leine gezeigt worden, wobei die Figur nicht eindeutig als Mann oder Frau zu erkennen war. Die Studenteilnehmer sollten in einer Geschichte dann erzählen, was diese Figur macht. Aufgeteilt in drei Gruppen sollten sie die Handlung mit jeweils einem anderen Personalpronomen (han, hon, hen) erzählen.

Genderneutrales Piktogramm: Eine menschliche Figur mit einem Hund an der Leine
Diese Grafik wurde bei der Studie verwendet.

Im Verlauf der Studie sollten die Probanden aus allen drei Gruppen Fragen beantworten. Anhand der Antworten konnten die Forschenden die Einstellungen der Teilnehmenden zu Frauen und LGBTQ+-Personen ableiten. Eine Frage war zum Beispiel: "Nennen Sie ein Mitglied des schwedischen Parlaments." Die Forschenden wollten wissen, ob die Teilnehmenden eher eine Frau oder ein Mann nennen.

Im weiteren Verlauf wollten die Forschenden wissen, wie die Teilnehmenden zu gleichgeschlechtlichen Ehen eingestellt sind, diese als gut oder schlecht für die Gesellschaft einschätzen und ob gleichgeschlechtliche Paare gut Kinder aufziehen können.

Gendergerechte Sprache hat Einfluss auf unsere Einstellungen

Die Forschenden haben die Antworten statistisch ausgewertet und dabei herausgefunden, dass diejenigen, die bei ihrer erfundenen Geschichte das neutrale "hen" benutzten haben, weniger oft Männer nennen, wenn sie nach einem "Mitglied des schwedischen Parlaments" gefragt werden. Und sie vertreten auch öfter positivere Meinungen gegenüber Frauen, Homosexuellen und Transmenschen.

Einen ähnlichen Effekt haben die Forschenden auch bei der Gruppe festgestellt, die bei ihrer Geschichte das Personalpronomen "sie" verwendet haben.

Die beiden Studienautoren leiten daraus ab, dass eine gendergerechte Sprache unser Denken beeinflusst, wir dadurch auch nicht mehr so stark in traditionellen Geschlechterrollen denken und gegenüber Personen jeglichen Geschlechts offener sind.