Die "Anti-Matsch-Tomate" war der weltweit erste genmanipulierte Organismus, der vor rund 25 Jahren für den menschlichen Verzehr auf den Markt gebracht wurde. Warum die Wundertomate schnell wieder von der Bildfläche verschwand und wie es heute um genmanipulierte Lebensmittel steht, erklärt Wissenschaftsjournalist Michael Lange.

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert erhielten US-amerikanische Wissenschaftler das Patent auf die "Anti-Matsch-Tomate": Ihnen war es gelungen, das Gen, das für das Matschigwerden der Frucht verantwortlich ist, zu blockieren. So konnte der "Flavor Saver" ("Geschmackskonservierer") länger am Strauch reifen und – ihrer Konsistenz sei dank – bestens transportiert werden.

Entgegen den Erwartungen konnte das Gen-Produkt die Verbraucher auf dem amerikanischen Markt allerdings nicht überzeugen. Der Grund: Die Tomate war zwar besonders stabil, was vor allem beim Transport von Vorteil war. Allerdings schmeckte sie nicht besonders aromatisch – und war dazu auch noch ziemlich teuer.

"Die meisten gentechnisch veränderten Lebensmittel in den USA werden heute nur noch an Tiere verfüttert."
Michael Lange, Wissenschaftsjournalist mit Schwerpunkt Umweltthemen

Beim Gang durch deutsche Supermärkte deutet auch im Jahr 2019 erst mal nichts auf ein verspätetes Comeback der Gen-Produkte hin. Nach europäischem Recht gelten strenge Auflagen für gentechnisch veränderte Lebensmittel. Und so wurden in Europa bislang lediglich eine Maissorte und eine Kartoffel zum Verzehr zugelassen. Diese müssten als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden, wenn sie zum Verkauf angeboten würden. Bislang ist das nicht der Fall.

Weil genmanipulierte Produkte von der breiten Mehrheit abgelehnt werden, befindet sich derzeit kein einziges Gen-Produkt mehr auf dem deutschen Markt. Nur für Tiere scheinen hier abweichende Regeln zu gelten. In den Endprodukten, wie zum Beispiel in der Milch, die größtenteils aus Eiweißen besteht, sind gentechnisch veränderte Zellen nicht nachweisbar. Lediglich im Futter ließe sich erkennen, ob Nutztiere mit veränderten Lebensmitteln ernährt wurden, so Michael Lange.

Gentechnik oder nicht? Oft fraglich

Belegt wird dies allerdings nur schriftlich, da eine unabhängige Überprüfung sehr aufwendig wäre. Kritiker bemängeln deshalb: So eine Prüfung habe kaum Aussagekraft. Außerdem bleibt fraglich, ob Milch und Milchprodukte absolut gentechnikfrei sind, da Nahrungsergänzungsstoffe und Medikamente oft gentechnisch produziert werden.

Bei der Diskussion um das Labeln von manipulierten Produkten drängt sich eine weitere wichtige Frage auf: Wie gesundheitsschädigend ist Gen-Food wirklich? Die meisten Forscher kämen zum Schluss: Es sei nicht nachgewiesen, dass Gentechnik schadet, erklärt Michael Lange. Es gebe aber auch Stimmen, die warnten: Genau nachweisen lasse sich das nicht.

"Menschen in Ländern, die gentechnisch veränderte Lebensmittel auf dem Markt haben, geht es nicht schlechter.“
Michael Lange, Wissenschaftsjournalist mit Schwerpunkt Umweltthemen

Die Zukunft der Gentechnik

Klar ist: Die Gentechnik hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und kann wesentlich genauere Ergebnisse liefern, gerade bei der Pflanzenzüchtung. Die Crispr/Cas-Methode ist sehr exakt und verspricht schnellere und flexiblere Formen der Pflanzenzüchtung, sagt Michael Lange. Für Wissenschaft und Landwirtschaft ist das sehr interessant, insbesondere in Zeiten des Klimawandels. Wie die Entwicklung in diesem Feld weitergeht, hänge aber vor allem von einem Faktor ab: der Zustimmung der Verbraucher.