Mit der Genschere, der Crispr/Cas-Methode, lässt sich das Erbgut von Ferkeln so manipulieren, dass männliche Tiere weiblich erscheinen. Damit lassen sie sich landwirtschaftlich besser verwerten.

Männliche Tiere sind in der Landwirtschaft oft nicht so erwünscht, weil sie sich schlechter verwerten lassen als weibliche Tiere. Männliche Küken werden geschreddert, männliche Kälber geschlachtet und männliche Ferkel kastriert. Mit der sogenannten Genschere, der Crispr/Cas-Methode, lässt sich das Erbgut von Ferkeln so manipulieren, dass männliche Tiere weiblich erscheinen. Bisher handelt es sich dabei noch um Grundlagenforschung.

Männliche Merkmale unerwünscht

Wenn männliche Ferkel geschlechtsreif werden, können sie einen starken Eigengeruch entwickeln. Auch das Fleisch schmeckt entsprechend anders – vielen schmeckt es nicht so gut wie das Fleisch einer Sau. Deswegen sind männliche Schweine in der Massentierhaltung weniger wert und nicht so erwünscht.

Früher wurden sie deshalb auf schmerzhafte Weise kastriert, indem ihnen die Hoden noch als Ferkel abgeschnitten wurden - ohne Betäubung. Die betäubungslose Ferkelkastration ist inzwischen nicht mehr erlaubt. Und so werden andere Wege gesucht.

Das Team des Friedrich-Loeffler-Instituts forscht an einer Methode, mit der durch einen genetischen Eingriff aus Ebern Säue werden. Zwar sind die erwachsenen Tiere unfruchtbar, aber äußerlich sehen sie weiblichen Tieren ähnlicher als männlichen.

Genetische Geschlechtsänderung

Wie funktioniert die Methode? Die Forschenden schalten bei männlich angelegten Ferkelembryonen einen bestimmten Genbereich des Y-Chromosoms aus, und zwar das SRY-Gen (Sex determining region of Y-Gen). Das ist der Bereich, der das Geschlecht des Tieres festlegt. Denn ersten Studienergebnissen zufolge entwickeln sie sich die männlichen Tiere dadurch äußerlich genauso wie die weiblichen: Sie haben weibliche Genitalien und erreichen die gleiche Körpergröße.

Nach neun Monaten sind die weiblichen Geschlechtsorgane bei den genetisch männlichen Tiere allerdings deutlich kleiner als bei gleichaltrigen Säuen. Die genetisch manipulierten Schweine sind zudem unfruchtbar. Der Vorteil für die landwirtschaftliche Verwertung: Die Tiere müssten nicht mehr kastriert werden.

Methode widerspricht dem Gentechnikrecht

Dass diese Methode in der Massentierhaltung eingesetzt wird, ist bisher noch unwahrscheinlich. Zum einen handelt es sich hierbei um Grundlagenforschung. Zum anderen widerspricht die Methode den Prinzipien des Gentechnikrechts. Mit ihrer Studien haben die Forschenden also nur gezeigt, dass eine Manipulation des Geschlechts bei Schweinen möglich ist.

Impfen gegen Ebergeruch – unfruchtbar per Spritze

Der Deutsche Tierschutzbund spricht sich gegen den Einsatz von Gentechnik bei Tieren aus. Der Verein verweist darauf, dass es bereits eine alternative Methode gibt, die die klassische Kastration bei Ferkeln ersetzen könnte: die Immunokastration.

Für diese Art der Kastration ist keine Betäubung der Ferkel notwendig. Sie erfolgt per Spritze und wirkt ähnlich wie ein Impfstoff. Angeregt durch den Wirkstoff erzeugt das Immunsystem des Tieres Antikörper gegen die eigenen Hormone. Dadurch werden die männlichen Tiere nicht geschlechtsreif. Als Konsequenz daraus entwickeln die kastrierten Schweine auch nicht den typischen Eber-Geruch, den man auch im Fleisch der Tiere schmecken kann.

Ein beteiligter Forscher, Björn Petersen vom Institut für Nutztiergenetik, beantwortet die Frage nach einer geeigneten Methode laut DPA so: "Da müssen sich dann sowohl die Verbraucher als auch die Produzenten letztendlich fragen, was sie wollen."