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Geraldine Schüle kommt aus einer Schaustellerfamilie. Reisen ist ihr Leben, Grenzen nur Linien auf einer Karte. Vor allem ihre Erlebnisse im Nahen Osten haben sie stark geprägt, sagt sie. Im Weltempfänger spricht sie über ihre Erlebnisse und Erfahrungen und das Leben im Zirkuswagen.

Libanon, Ägypten im Arabischen Frühling, Westbank: Die Reisen, die Geraldine Schüle unternommen hat, waren nicht gerade Wellness-Trips. Los ging das schon, als sie mit 17 Jahren das erste Mal Europa verließ: Indien war ihre erste große Reise – und erst mal eine Überforderung, erinnert sie sich.

"Indien ist einfach extrem in allem – die Farben, die Gerüche, die Geräusche."
Geraldine Schüle

Schon bei diesem ersten Trip war klar, dass sie nicht der Typ Reisende ist, der nur Sightseeing-Spots abklappert. Geraldine arbeitete in Indien zum Beispiel als Betreuerin in einem Kindergarten – und machte dabei gleich einschlägige Erfahrungen mit den Herausforderungen indischer Hygiene-Gepflogenheiten.

Dass es direkt eine lange Tour nach Indien sein musste, liegt vielleicht daran, wie Geraldine aufgewachsen ist, meint sie. Ihre Eltern waren Schausteller, sie lebten mit der Familie in einem Wohnwagen. Jeder neue Ort barg Unsicherheit. Diese Unsicherheit zu suchen, steckte ein bisschen in ihr drin, sagt Geraldine, es war wie eine Sucht.

"Ich kenne das auch, sich ständig an Orte zu begeben, wo man nicht weiß, was auf einen zukommt."
Geraldine Schüle

Indien war eine Art Test für sie, erinnert sich Geraldine im Interview, und den hatte sie bestanden. Also: nächstes Ziel! Nach dem Abi ging es nach Israel. Der Plan: Einen Esel kaufen und damit durchs Land ziehen. Dann landete Geraldine aber in Tel Aviv – in dieser Stadt sei alles möglich, sagt sie, nur eben keinen Esel zu kaufen. Stattdessen: Party und Metropolenlifestyle.

Mit der Zirkusschule durch die palästinensischen Gebiete

Bei einer Party-Reise blieb es aber nicht. Irgendwie landete Geraldine durch Zufall bei einer palästinensischen Zirkusschule. Sie nahm dort einen Job als Trainerin an und lebte das Zirkusleben mit. Quer durch die Westbank ging es von Flüchtlingslager zu Flüchtlingslager, um Zirkusunterricht für Frauen und Kinder zu machen.

Was sie in dieser Zeit besonders beeindruckte: Das positive Denken der Menschen mit Fluchterfahrungen, ihr Im-Moment-Leben. Der Zirkus sei für sie ein Mittel gewesen, gewaltfrei ihre angestauten Erfahrungen auszudrücken, sagt sie.

"Jede Palästinenser hat Verwandte, die gestorben sind, die getötet wurden. Das ist einfach alltäglich.“
Geraldine Schüle

Diese Erfahrungen prägten Geraldine extrem. Sie entwickelte die Idee, Kriegsreporterin zu werden. Weitere Reisen brachten sie dann auf den Tahrir-Platz in Kairo mitten im Arabischen Frühling und schließlich in den Libanon, in die Wohnung zweier Hisbollah-Mitglieder in Beirut. Von dort musste sie irgendwann fliehen und stellte dann fest, dass sie einen ganz anderen Blickwinkel haben will, wenn sie über Dinge berichtet: Sie will sich auf Positives konzentrieren.

"Ich habe mich entschieden, dass ich nicht über Drama und Krieg berichten will. Sondern, wenn ich schreibe oder spreche, dann von positiven Dingen, weil ich glaube, dass das langfristig der Welt viel mehr gibt."
Geraldine Schüle

Auch die negativen Dinge müssen berichtet werden, ergänzt sie schnell, aber wir sollten eben das Positive suchen. Das macht Geraldine, und zwar derzeit in Deutschland: Im Moment lebt sie in einem Zirkuswagen und arbeitet als Zirkuspädagogin, -regisseurin und Speakerin. Und als Autorin: Über ihre Reisen hat sie das Buch "Grenzenlos Leben" geschrieben.

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Wenn Ihr wissen wollt, warum es Linkshänder in Indien schwer haben, wie es dazu kam, dass Geraldine mit zwei Hisbollah-Mitgliedern zusammenwohnte, wie sie fliehen konnte und was ihr von der Clownerie fürs Leben lernen könnt, dann hört euch das ganze Interview an: einfach auf Play klicken!