Forensiker haben nach einem schweren Unfall, einem Flugzeugabsturz oder nach einer Naturkatastrophe noch lange damit zu tun, die Leichen zu identifizieren. Michael Tsokos ist Gerichtsmediziner an der Charité in Berlin und weiß, dass er mit seinem Job den Angehörigen von Opfern auch helfen kann.

Michael Tsokos war nach dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien mit dabei, als Massengräber geöffnet wurden und er hat auch nach dem Tsunami 2004 mitgeholfen menschliche Überreste zu identifizieren. Er sagt, dass die Arbeit meistens gleich abläuft: "Zunächst wird alle, was nach menschlichem Gewebe aussieht in einen Bodybag gelegt."

Piercings und Tätowierungen können wichtige Hinweise sein

Dann wir in einer provisorischen Leichenhalle jedes Gewebeteil untersucht, die DNA wird abgeglichen und vor allem können Zahnfüllungen. Schmuckstücke, Piercings oder Tätowierungen wichtige Hinweise sein.Erst wenn die Staatsanwälte die Leichen freigeben, können sich Bestatter und Angehörige darum kümmern, dass die Toten in ihre Heimat zurückgeführt und beerdigt werden können.

Weinende Psychologen nach dem Tsunami

Michael Tsokos hat in seiner Arbeit eine Berufung gefunden. Gerichtsmediziner sehen und erleben Dinge, die die meisten Menschen nur schwer verarbeiten können, berichtet der Forensiker. Nach dem Tsunami in Asien wurden den Gerichtsmedizinern deswegen Psychologen an die Seite gestellt, aber ach kurzer Zeit hätten sie die weinenden Psychologen zum Flughafen begleitet: "Wir wussten natürlich, was uns erwartet", erzählt Michael Tsokos, "und andere wissen das nicht, darum war dann die Situation tatsächlich umgekehrt."

Portrait von Michael Tsokos
© dpa
Michael Tsokos im Jahr 2013 im Sektionssaal der Charité, also dort wo Leichen obduziert werden.

Michael Tsokos

Michael Tsokos ist Rechtsmediziner und Professor an der Charité in Berlin. Er leitet seit 2007 das Institut für Rechtsmedizin der Charité und gleichzeitig das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin-Moabit.