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Egal ob Renaissancedichtung oder Netflix - wir klären, warum die Varusschlacht im Teutoburger Wald seit über 2000 Jahren nichts von ihrer Faszination verloren hat.

Es ist eine der aufwendigsten TV-Serien, die je in Deutschland gedreht wurden: "Barbaren". Der Streamingdienst Netflix vermeldet mit 37 Millionen Haushalten, die weltweit zugeschaut haben, einen Zuschauerrekord.

Im Mittelpunkt des Fernseh-Spektakels stehen drei Personen, die sich seit Kindheitstagen kennen: Ari, der Sohn eines Cheruskerfürsten, der angeblich als Pfand nach Rom "abgegeben" und dort von Varus, dem römischen Feldherrn erzogen wurde, Folkwin, ein draufgängerischer Kämpfer der Cherusker und dessen heimliche Geliebte Thusnelda, Tochter des Cheruskerfürsten Segestes.

Sammelbezeichnung für Menschen fremder Herkunft

Für die Römer sind sie "Barbaren" - ein Begriff, der seit der griechischen Antike für jene Menschen verwendet wird, die weder Griechen noch Römer verstanden haben. Aus dem "Rabarabaraba" wird "Barbar" und damit eine Sammelbezeichnung für Menschen fremder Herkunft.

Diese Barbaren werden von Arminius, der als Ari in Rom aufgewachsen ist, aber nie seine germanischen Wurzeln abgeschnitten hat, in die legendäre Schlacht im Teutoburger Wald 9 nach Christus geführt. Sie findet bei Bramsche im Osnabrücker Land in der Kalkrieser Senke statt und endet mit einem Sieg der Germanen über drei römische Legionen, die unter ihrem Feldherrn Varus gegen die mit einer Art Guerilla-Taktik kämpfenden Germanen keine Chance haben.

Die Varusschlacht ist einer der Wendepunkte der römischen Eroberungspolitik in Magna Germania. Zwar unternehmen die Römer während der Augusteischen Germanenkriege bis 16 n. Chr. weitere Eroberungsversuche, aber sie scheitern. Die germanischen Stämme zwischen Elbe und Rhein wehren sich erfolgreich gegen die Besatzung durch römische Legionen.

Daraus haben sich Jahrhunderte lang Mythen und Legenden gespeist: Arminius wird beim Renaissance-Dichter Ulrich von Hutten als "Vaterlandsverteidiger" zur Figur der nationalen Identität überhöht. Der Reformator Philipp Melanchton vergleicht den Kampf der Protestanten gegen den Papst mit den Schlachten der Germanen gegen die Römer. Turnvater Jahn nennt Arminius einen "Volksheiland" und die Völkerschlacht bei Leipzig 1814 gegen Napoleon wird als "Zweite Hermannschlacht" bezeichnet.

Nationalsozialisten meiden Hermann den Cherusker

Die Nationalsozialisten hingegen haben Hermann den Cherusker gemieden. Ihnen ging es um Eroberung fremden Territoriums, um die "Erweiterung des Lebensraums" für das deutsche Volk. Die auf Verteidigung des eigenen Bodens angelegte Strategie von Arminius und den antiken Germanen war das Gegenteil von dem, was mit dem Zweiten Weltkrieg beabsichtigt war.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Heino Neumayer vom Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte berichtet über Arminius - beziehungsweise über das, was wir von ihm wissen.
  • Der Althistoriker Reinhard Wolters erläutert einerseits die Ziele der Römer und blickt andererseits auf die Vorstellungen der Germanen.
  • Philipp Roskoschinski war Berater für Kostüme, Waffen und Militärequipment bei der Netflix-Serie "Barbaren".
  • Der Historiker Matthias Wemhoff schildert die Lebensform der Germanen und die Stellung der Frau in den germanischen Stämmen.
  • Karl Banghard leitet das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen und berichtet über die Anziehungskraft, die die Germanen auf heutige rechtsextreme und neonazistische Gruppen haben.
  • Deutschlandfunk Nova - Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld beschreibt, wo früher Germanen gelebt haben.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Felix Schledde berichtet über die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9, als die Germanen unter Führung von "Hermann der Cherusker" die Legionen des römischen Feldherrn Varus besiegten.