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Am 23. Mai 1526 eröffnet Philipp Melanchthon, ein Vertrauter Martin Luthers, die "Obere Schule bei St. Egidien" in Nürnberg. Es war das (im modernen Sinne) erste Gymnasium im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.

Nürnberg war im Mittelalter eine bedeutende Stadt. Zwischen 1663 und 1803 fanden dort 41 Hof- und Reichstage statt – nur Frankfurt am Main konnte das mit 43 Versammlungen noch toppen. Zahlreiche Bauwerke, deren Äußeres auf eine lange Vergangenheit schließen lassen, zeugen noch heute von der Bedeutung Nürnbergs im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.

Zu diesen Zeugen der Vergangenheit gehört auch das Melanchthon-Gymnasium, das ursprünglich im Egidienkloster untergebracht war. Vor dem Tor steht eine beeindruckende Statue von Philipp Melanchthon – Reformator, Freund Martin Luthers und an der Gründung des (im modernen Sinne) ersten Gymnasiums im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation beteiligt.

Nürnberger Religionsgespräche 1525

Nürnberg hatte eigentlich nicht den Ruf einer Stadt der Wissenschaften, sie beherbergte keine Universität und war auf Distanz gegangen zu den Humanisten des beginnenden 16. Jahrhunderts.

Das änderte sich mit den Nürnberger Religionsgesprächen im März 1525, die durch einen Streit zwischen Anhängern und Gegnern der Reformation ausgelöst worden waren. Die Disputation gewann die protestantische Seite – am 21. April 1525 leitete die Stadt die Einführung reformatorischer Kirchenpraktiken ein.

Philipp Melanchthon: geistiger Motor der Humanistenschulen

Martin Luther hatte schon 1524 einen Aufruf verfasst, der die Gründung von Schulen in allen deutschen Städten empfahl, um die Jugend nach christlichen und humanistischen Grundsätzen zu unterrichten. Der Rat der Stadt Nürnberg folgte diesem Rat und versuchte, Luthers Vertrauten Philipp Melanchthon als Direktor der neuen Schule zu gewinnen.

Statue des Philosophen Melanchthon, 1497-1560, vor dem Melanchthon-Gymnasium in Nürnberg
© picture alliance / imageBROKER | Helmut Meyer zur Capellen
Imposant: Eine Statue Philipp Melanchthons (1497-1560) vor dem nach ihm benannten Gymnasium in Nürnberg

Dieser lehnte zwar ab, brachte aber seinen Freund, den Universalgelehrten Joachim Camerarius mit, der die Leitung der Schule übernahm. Melanchthon kam aber am 23. Mai 1526 nach Nürnberg und eröffnete die "Obere Schule bei St. Egidien", und zwar mit einer – heute kaum mehr vorstellbar – Rede in lateinischer Sprache.

"Philipp Melanchthon war Vertrauter von Martin Luther, der 1524 einen Aufruf verfasst hatte, das in allen Städten Deutschlands christliche Schulen aufgebaut werden sollten."
Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

Am 23. Mai 2026 feiert das Melanchthon-Gymnasium sein 500-jähriges Jubiläum.

Erste Schulen auf deutschem Boden in Osnabrück und Münster

Noch eine wichtige Differenzierung: Das heutige Melanchthon-Gymnasium in Nürnberg war das erste Institut auf deutschem Boden, das bereits von Anfang an als Gymnasium gegründet wurde. Es gab beziehungsweise gibt allerdings Schulen, die bereits sehr viel früher gegründet wurden und erst später zu Gymnasien wurden.

Um den Titel der ältesten kontinuierlich bestehenden Schule Deutschlands streiten sich das Gymnasium Carolinum in Osnabrück (als Domschule gegründet 804 von Karl dem Großen) und das Gymnasium Paulinum in Münster (ebenfalls als Domschule gegründet um 797 vom heiligen Ludgerus).

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Antonia Landois vom Stadtarchiv Nürnberg berichtet über die Anfänge des ersten Gymnasiums in Nürnberg.
  • Der evangelische Theologe Anselm Schubert von der Universität Erlangen-Nürnberg beschreibt Philipp Melanchthon als Reformator und Schul- und Bildungsreformer.
  • Die Erziehungswissenschaftlerin Margret Kraul hat sich mit der Entwicklung des Gymnasiums zwischen 1780 und 1980 beschäftigt.
  • Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld blickt zurück auf die Gründungsjahre des ersten Gymnasiums in Nürnberg.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Luisa Filip erinnert an den Beschluss des Stadtrats von Nürnberg, ein Gymnasium zu schaffen.

Info: Unser Bild ganz oben zeigt die Eröffnung der "Oberen Schule" im Ägidien-Kloster in Nürnberg am 23.05.1526. Melanchthon (schwarzes Gewand) begibt sich mit dem Ratsherren Willibald Pirkheimer (türkisfarbener Mantel mit Pelzkragen) zur Eröffnungsfeier. Ihnen folgen: Eoban Hesse, Joachim Camerarius, Justus Jonas, Lazarus Spengler, Hieronymus Baumgartner und Albrecht Dürer. (Wandmalerei in der Gedächtnishalle von Prof. August Groh, Melanchthon-Museum in Bretten/Kraichgau/Baden-Württemberg).

Shownotes
Bildungsgeschichte
Das erste Gymnasium eröffnet 1526 in Nürnberg
vom 17. April 2026
Moderation: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte
  • Luisa Filip erinnert an den Beschluss des Stadtrats von Nürnberg, ein Gymnasium zu schaffen.
  • Antonia Landois vom Stadtarchiv Nürnberg berichtet über die Anfänge des ersten Gymnasiums in Nürnberg.
  • Der evangelische Theologe Anselm Schubert von der Universität Erlangen-Nürnberg beschreibt Philipp Melanchthon als Reformator und Schul- und Bildungsreformer.
  • Die Erziehungswissenschaftlerin Margret Kraul hat sich mit der Entwicklung des Gymnasiums zwischen 1780 und 1980 beschäftigt.