Gender-Pay-Gap, Gender-Orgasm-Gap, Gender-Care-Gap: Es gibt viele "Gaps", die auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufmerksam machen wollen. Die Autorin Ann-Kristin Tlusty erklärt, was hinter diesen Lücken steckt und wie wir sie schließen könnten.

Frauen verdienen weniger als Männer, sie haben beim Sex seltener einen Orgasmus oder sie betreuen häufiger Kinder und pflegebedürftige Angehörige. All diese Gender-Gaps sollen auf Unterschiede, die es aufgrund der Geschlechter gibt, hinweisen.

Drei Gender-Gaps und wie sie zustande kommen

1. Gender-Pay-Gap:

Inzwischen sinkt zwar die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern stetig. Doch auch im Jahr 2022 verdienen Frauen immer noch weniger als Männer.

Das hat verschiedene Gründe, wie die Autorin Ann-Kristin Tlusty erklärt. "Zum einen arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit, weil sie mehr Zeit mit Sorgearbeit verbringen", sagt sie. "Dadurch verdienen sie oft schlechter."

"80 Prozent aller Beschäftigten im Care-Sektor sind weiblich. Diese Berufe sind grundsätzlich schlechter bezahlt."
Autorin Ann-Kristin Tlusty über die Gründe für das Gender-Pay-Gap

Hinzu komme, dass Frauen häufiger in Berufen arbeiten, die mit Pflege und Sorge zu tun haben, so Tlusty. Derartige Jobs werden jedoch oft schlecht bezahlt.

Der Gender-Pay-Gap hat für viele Frauen auch eine langfristige Folge. "Frauen beziehen dadurch auch weniger Rente und leiden im Alter häufiger unter Armut", sagt die Autorin. "Auch, weil sie häufiger und längere Pausen einlegen, beispielsweise für die Kinderbetreuung oder Ähnliches."

2. Gender-Care-Gap:

Im Durchschnitt verbringt eine Frau in Deutschland vier Stunden und 13 Minuten am Tag damit, sich "zu kümmern", also Care-Arbeit zu leisten. Dazu gehört es beispielsweise die Wäsche zu waschen, Kinder oder Angehörige zu betreuen oder Arzttermine zu vereinbaren.

Bei Männern ist das deutlich weniger. Sie verbringen nur zwei Stunden und 46 Minuten am Tag mit Care-Arbeit. Frauen haben demnach durchschnittlich ganze 87 Minuten weniger am Tag Zeit für andere Dinge als Männer.

3. Gender-Orgasm-Gap

Das Gender-Care-Gap führt nicht nur zu weniger Zeit, sondern bedingt auch eine weitere "Lücke". So kann es sich auch sexuell auswirken, dass die Gedanken vieler Frauen oft um die Bedürfnisse anderer Menschen kreisen.

Das führt dazu, dass Frauen beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr seltener einen Orgasmus haben als Männer. So sagten in einer Studie 95 Prozent der befragten Männer, dass sie beim Sex kommen, bei den Frauen waren es lediglich 65 Prozent.

Nicht nur zwischen den Geschlechtern gibt es Gaps

Doch auch innerhalb der Gruppe "Frauen" gibt es Gaps. Denn mit Geld kann man sich von der Care-Arbeit freikaufen. "Mann kann eine Babysitterin anstellen, ins Restaurant gehen oder bei Lieferdiensten bestellen und ältere Angehörige betreuen lassen", sagt die Autorin Ann-Kristin Tlusty. Doch genau das mache die Gaps nur noch höher, da diese prekären Jobs wiederum hauptsächlich von Frauen gemacht würden.

"Diese Dienstleistungen werden häufig von anderen Frauen vollbracht. Die sind oft prekär beschäftigt, ziemlich schlecht bezahlt und häufig auch migrantisch."
Autorin Ann-Kristin Tlusty über die Bezahlung von Care-Arbeit

Care-Arbeit wie Erwerbstätigkeit behandeln

Um die Lücken in allen Gender-Gaps zu schließen, sieht Ann-Kristin Tlusty nur eine Lösung. "Wir müssten Sorgearbeit als gleichwertige oder gleichberechtigte Arbeit neben der Erwerbstätigkeit anerkennen", sagt sie.

"Ein wichtiger Schritt, um das auch wirklich zu tun, wäre, die Erwerbstätigkeit radikal zu verkürzen", so die Autorin. "Wenn Menschen aller Geschlechter weniger arbeiten würden und mehr Zeit für die alltägliche Sorge hätten, dann wäre das schon ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichstellung."