Franziska ist im Süden Italiens aufgewachsen, in einer Kleinstadt mit rund 30.000 Einwohnern. Dass in Kleinstädten nur Kleingeister wohnen ist zwar ein Vorurteil, auf ihren Heimatort trifft das aber voll zu. Sie wird von den Jungs auf der Straße runtergemacht, und beim Sport will sie keiner im Team haben. Franziska merkt ja selbst, dass sie irgendwie anders ist - schon als Kind, als sie noch Francesco heißt.

Bei verschiedenen Aufenthalten im Ausland verliebt sich Franziska in Deutschland. Sie möchte unbedingt hier leben. Nachdem sie im Internet ein Video mit Schminktipps sieht, meldet sie sich für einen Schminkkurs an, damals noch mit dem Ziel, Make-up-Artist zu werden. Dabei entdeckt sie ganz allmählich, dass in ihr eine Frau steckt.

"Ich habe mich selbst geschminkt und gesagt: Das ist nur zu Übungszwecken. Das habe ich gemacht, mit einer Perücke und alles. Ich dachte: Hmm, so schlecht sehe ich nicht aus."
Francesco entdeckt Franziska zunächst bei Schminkübungen im Spiegel

Seit ein paar Jahren wohnt Franziska in Köln, und seit einem Jahr lebt sie ständig als Frau. Vor ihren Freunden, in der Familie und auf der Arbeit - überall hat sich Franziska geoutet. Ungeachtet der Reaktionen war das Outing ein wichtiger Schritt, um in ihrem neuen Leben als Frau anzukommen.

"Ankommen für mich bedeutet ein neuer Körper, ein weiblicher Körper. Ohne Penis am besten!"
Franziska fehlt noch ein letzter Schritt auf ihrem Weg zur Frau
Spiegelbild von Franziska bei einem Friseurtermin
© Jennifer Rieger
Franziska entdeckt ihr wahres Ich zunächst im Spiegel. Heute ist das für sie selbstverständlich.

Angst, aber keine Zweifel

Die Weltgesundheitsorganisation zählt Transsexualität zu den Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. Eine Klassifizierung, die Franziska in Kauf nimmt. Denn immerhin werde dadurch ihre Situation ernst genommen, und die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Hormontherapie und die psychologische Begleitung.

Noch ist Franziskas Transition nicht abgeschlossen. Es fehlt die geschlechtsangleichende Operation. Ein Schritt, den Franziska unbedingt gehen will, vor dem sie allerdings auch Angst hat. Es handelt sich ja um einen komplizierten Eingriff. Zweifel an ihrer eigentlichen Geschlechtsidentität hat Franziska aber längst nicht mehr.

"Ich war nie ich selbst. Ich war immer in dieser Verkleidung. Seitdem ich mich geoutet habe, habe ich nie Karneval gefeiert, nie. Ich habe mein ganzes Leben Karneval gefeiert. Jetzt ist Schluss damit!"
Schluss mit Verkleiden - Franziska will nur noch sie selbst sein

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