Wenn wir bittere Schokolade essen, nachdem wir einen Kaffee getrunken haben, schmeckt die Schokolade süßer. Forschende aus Dänemark haben das Phänomen untersucht, aber noch nicht herausgefunden, welcher der über 900 Stoffe im Kaffee dafür verantwortlich ist. Das Koffein ist es aber schon mal nicht.

In einem guten Café bekommen wir ja zum Kaffee meist noch ein Stückchen Bitterschokolade dazu. Das wirkt edel – und wird selbst jenen ganz gut schmecken, die sonst nicht so auf Bitterschokolade abfahren. Forschende aus Dänemark wissen jetzt auch warum: Nachdem wir Kaffee getrunken haben, schmeckt die Schokolade süßer.

Das Ergebnis ihrer Studie hat die Forschenden ziemlich überrascht, denn eigentlich hat Kaffee viele Bitterstoffe, die – so die Annahme – dafür sorgen müssten, dass Süßes nicht mehr so süß schmeckt.

Bei "bitter" warnt uns unser Körper

Evolutionär gesehen ist das im Übrigen sinnvoll, da viele Giftstoffe bitter schmecken. Unser Geschmackssinn warnt uns auf diese Weise, etwas Giftiges zu essen.

Kaffee verändert Geschmackssinn bei süß und bitter

In ihrer Studie wollten die Forschenden eigentlich herausfinden, was Kaffee mit unserem Geschmacks- und Geruchssinn macht. Dazu haben 150 Freiwillige ein Glas Wasser getrunken, um daraufhin auf einer Skala von null bis zehn einzuschätzen, wie salzig Salz, wie sauer eine Zitrone und wie bitter ein bestimmter Bitterstoff ist. Etwas später haben die Freiwilligen dann eine Tasse Kaffee getrunken – und das Gleiche noch mal gemacht.

Das Ergebnis: Nach dem Kaffee schmeckte Süßes süßer, aber auch Bitteres schmeckte weniger bitter. Bei den anderen Geschmackstests ließ sich kein Unterschied feststellen, fasst Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper die Studienergebnisse zusammen.

"Kaffee verändert wohl nur bestimmte Geschmacksrichtungen."
Anne Tepper, Deutschlandfunk Nova

Nachdem die Forschenden von den Testergebnissen also einigermaßen überrascht waren, wollten sie herausfinden, woran die Geschmacksveränderung liegt. Welcher Stoff dafür verantwortlich ist. Also versuchten sie es mit dem prominentesten Inhaltsstoff im Kaffee: Koffein. Nach einem Gegentest mit entkoffeiniertem Kaffee zeigte sich aber, dass den Testerinnen und Testern das Süße erneut intensiver schmeckte – und auch bei den anderen Aromen war das Ergebnis gleich.

Grund für Geschmacksveränderung durch Kaffee unklar

Mit einer schnellen Antwort können wir also kaum rechnen, denn im Kaffee sind über 900 verschiedene Aromen enthalten, die alle durchgetestet werden müssten. Da es aber dieselben Effekte bei Süß und Bitter gab, vermuten die Forschenden einen etwas allgemeineren Mechanismus. Denn die Rezeptoren für Süß und Bitter nutzen beide denselben Signalweg im Gehirn. Es könnte also sein, dass sich die Signale gegenseitig beeinflussen.

Das müsste noch genauer untersucht werden. Aber immerhin: Für die Gastronomie dürften diese Ergebnisse interessant sein. Nicht nur bei der Frage, welche Schokolade man zum Kaffee dazu legt, sondern auch, wie man die Gerichte zubereitet. Für Köchinnen und Köche könnten die Studienergebnisse Anlass zu neuen Kreationen sein, so Anne Tepper.