Das chinesische Start-up Megvii hat bisher biometrische Vermessungssysteme für Menschen entwickelt. Jetzt hat die Firma auch eine Gesichtserkennung für Hunde auf den Markt gebracht.

In China wird euer Gesicht häufiger gescannt als anderswo. An vielen öffentlichen Plätzen oder in den Bahnen sind Kameras verbaut, ständig auf der Suche nach Menschen, die sich nicht an die Regeln halten. Nach den Menschen sollen jetzt auch Hunde biometrisch vermessen werden.

Wiederfinden – und überwachen

Die Software der chinesischen Firma Megvii soll vor allem helfen, entlaufene Hunde wiederzufinden. Der Hunde-Erkennungs-Algorithmus hat aber noch eine zweite, praktische Funktion, berichtet unsere Netzreporterin Martina Schulte: Laut der chinesischen Onlineagentur Abacus soll sie die chinesischen Behörden dabei unterstützen, Hundebesitzer ausfindig zu machen, die ihre Hunde frei und ohne Leine herumspazieren lassen oder die "vergessen", das große Geschäft ihrer geliebten Vierbeiner anschließend zu entsorgen. Das Ganze könnte sich dann negativ auf den Social Credit Score der Hundebesitzer auswirken.

"Den gesetzesbrechenden Hund erkennt das System an der Nase - sie ist so individuell wie ein menschlicher Fingerabdruck."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Der Schnauzen-Scanner ist, präziser ausgedrückt, eigentlich ein Hundenasen-Scanner. Denn genau daran, am Riechorgan, identifiziert das System den Hund. Die Nase eines Hundes ist scheinbar so individuell wie ein menschlicher Fingerabdruck oder ein menschliches Ohr, das ja zum Beispiel vor Gericht genutzt wird, um Menschen zu identifizieren, die zu schnell gefahren und geblitzt worden sind.

Wie die Behörden an die Hundenasen kommen

Damit das System funktioniert, müssen die Hundebesitzer das System mit Informationen beliefern: Sie machen von allen Seiten Fotos von der Nase ihres Vierbeiners und geben sie an die Behörden weiter – zusammen mit Name, Rasse und Alter des Hundes sowie den eigenen Kontaktdaten.

Alle diese Daten werden dann von einer KI analysiert und in einer Datenbank hinterlegt. Geht der Hund verloren und taucht irgendwo wieder auf, wird er erkannt und kann zurückgegeben werden, so Megvii. Dank der App konnten bereits über 15.000 Hundebesitzer wieder mit ihren Tieren vereint werden, so die chinesische Firma. Sie spricht von einer Erkennungsquote von 95 Prozent.

Erkennungsquote wohl sehr hoch

Wenn das stimmt, wäre das eine wesentlich bessere Quote als bei menschlichen Gesichtserkennungssystemen. Erst vergangene Woche war berichtet worden, dass das Gesichtserkennungssystem der Londoner Polizei aktuell nur eine nachweisbare Trefferquote von 19 Prozent hat. 81 Prozent der angehaltenen Personen wurden also falsch erkannt, schrieb das Blog Netzpolitik.org.

Unabhängig nachprüfen, ob die 95-prozentige Erkennungsquote auch tatsächlich stimmt, kann man auf die Schnelle nicht, sagt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin Martina Schulte. Sie könnte etwas übertrieben sein, glaubt sie. Auf jeden Fall wäre sie sehr viel besser als Face++, eine ebenfalls von Megvii hergestellte Gesichtserkennungssoftware für Menschen. Die war gerade erst in den Schlagzeilen, weil sie Schwierigkeiten hatte, Frauen und Menschen mit dunklerer Hautfarbe zu erkennen. Face++ wird beispielsweise von den Hardware-Herstellern Lenovo und Dell genutzt. Und von der chinesischen Regierung – scheinbar auch, um die Minderheit der Uiguren zu überwachen.