Wer als Kassenpatient einwilligt, seine Behandlung selbst zu zahlen, erhält in der Regel schneller einen Termin beim Facharzt. Warum Verbraucherzentralen von der Option abraten und welche Alternativen es gibt.

"Der nächste freie Termin wäre dann …" – bei der Suche nach fachärztlicher Beratung endet dieser Satz selten auf "morgen". Einer 2021 veröffentlichten Studie der Kassenärztlichen Vereinigung zufolge warteten 27 Prozent aller Befragten drei Wochen oder länger auf einen Termin. Und: Unter denjenigen, die am längsten warten mussten, waren rund doppelt so viele gesetzlich Versicherte wie Privatpatienten.

Wer das beschleunigen möchte, hat in vielen Praxen Möglichkeit, sich als Selbstzahler*in behandeln zu lassen: Kosten für Behandlung und Medikamente sind dann privat zu tragen, und werden nur in Ausnahmefällen von der Kasse zurückerstattet. Ein hohes Risiko, sagt Christiane Grote von der Verbraucherzentrale NRW, weshalb sie von der Selbstzahler-Option abrät.

"Wir empfehlen, erst mal alle anderen Wege auszuschöpfen, wenn ich dringend einen Termin brauche: Lass dich vom Hausarzt oder der Hausärztin weitervermitteln oder nutze die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen."
Christiane Grote, Verbraucherzentrale NRW

Selbstzahler*innen erhalten deshalb schneller einen Termin, weil ihnen auch Sprechstunden für Privatversicherte zur Verfügung stehen. Dass es davon vergleichsweise viele gibt, begründet der Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Deutschlands damit, dass die gesetzlichen Kassen einige Leistungen budgetieren.

Das heißt, der Arzt oder die Ärztin kann bestimmte Behandlungen nur in einer begrenzten Anzahl pro Quartal abrechnen. Werden darüber hinaus weitere Fälle behandelt, erhält die Praxis deutlich weniger Geld dafür. Damit soll verhindert werden, dass teure Behandlungen zu häufig verschrieben werden. Allerdings werden manche Behandlungen dadurch für die Ärzte unrentabel, so der Verband.

Die Abrechnung bestimmter Behandlungen wird durch die gesetzlichen Kassen limitiert – und so laut Ärzt*innen unrentabel

Diese Limitierung gibt es bei privat Versicherten nicht: Bei ihnen können die Praxen unbegrenzt oft den Vollpreis abrechnen, was deren Behandlung wirtschaftlicher macht. Und die von Selbstzahlenden eben auch.

"Hilfe bei der Terminsuche bieten die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung. Wenn du dich da mit einer Überweisung meldest, müssen sie dir binnen einer Woche einen Termin in den nächsten vier Wochen – für psychotherapeutische Notfälle in den nächsten zwei Wochen – vermitteln."
Lea Marlen Balzer, Deutschlandfunk Nova

Wer als Selbstzahler*in zum Arzt geht, wird nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet. Darin sind für alle Behandlungen einheitliche Kosten festgelegt. Bei einer einfachen Sprechstunde kannst du demnach etwa mit 25 bis 50 Euro rechnen. Je nachdem, wie komplex ein Fall ist, kann daraus aber auch deutlich mehr werden.

Gängig ist, dass das 2,3-Fache der Grundkosten berechnet wird. Sollte das 3,5-Fache oder sogar noch mehr abgerechnet werden, muss der Patient oder die Patientin zuvor darüber aufgeklärt werden und schriftlich zustimmen.

Außerdem besteht immer das Recht, sich nach den Kosten zu erkundigen, kritische Fragen zu stellen und sich bei teuren Sonderbehandlungen eine Bedenkzeit zu erbitten.

  • Moderation:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartnerin:  Lea Marlen Balzer, Deutschlandfunk Nova