Frauen, die nicht verhüten, sollten die Finger ganz vom Alkohol lassen, rät die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC. Was zum Schutze des ungeborenen Fötus gedacht war, erregt die Gemüter in den sozialen Medien.

Mit einer drastischen Empfehlung gerät zurzeit die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention, kurz CDC, in die Kritik. Frauen, die nicht verhüten und zwischen 15 und 44 Jahre alt sind, sollen keinen Alkohol trinken, um bei einer möglichen Schwangerschaft dem Fötus nicht zu schaden.

Wenn die (ungewollt) Schwangere dies doch tue, kann das Kind ein Fetales-Alkohol-Syndrom, kurz FAS genannt, aufweisen. Die verschiedenen Ausprägungen können von körperlichen Auffälligkeiten bis hinzu Verhaltensstörungen und Behinderungen reichen.

Jedes 70. Kind betroffen

Auch in Deutschland ist das FAS die häufigste nicht-genetische Störung, mit der Kinder auf die Welt kommen. Schätzungsweise sind pro Jahr etwa 10.000 Kinder betroffen. Bei rund 700.000 Geburten pro Jahr weist somit jedes 70. Kind FAS auf.

Ob schon ein Tropfen Alkohol dem Kind schadet oder wo genau die Grenze zur gefährlichen Dosis liegt, können Forscher nicht feststellen. Zum anderen ist auch unklar, zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft der Alkohol welche Wirkung auf den ungeborenen Organismus hat. Die CDC begründet die Empfehlung damit, dass viele Frauen in den ersten Wochen ihrer Schwangerschaft selbst noch gar nichts davon wissen - lieber also komplett auf Alkohol verzichten als eine mögliche negative Folge für das Kind bei einer möglichen unbekannten Schwangerschaft riskieren.

Hinzu kommt: In den USA wird jede zweite Frau ungeplant schwanger.

Drei von vier Frauen trinken laut CDC weiter, auch wenn sie schwanger werden wollen

Auf Twitter kritisieren User, dass diese Empfehlung diskriminierend sei, weil sie Frauen auf ihre "Gebär-Funktion" reduziere. Die Verhaltensregel wird als herablassend, unpraktisch oder übertrieben empfunden. Das CDC hat inzwischen auf diese Kritik reagiert und versucht, das Ganze zu entschärfen: Es sei der Behörde darum gegangen, noch mal auf das Risiko aufmerksam zu machen und die Frauen bestmöglich zu informieren. Wie sie aber mit dieser Information umgehen, sei jeder Frau selbst überlassen, betont das CDC.