Ein Start-up aus Israel testet gerade eine App, die anhand der Stimme Hinweise auf eine Infektion mit dem Coronavirus liefern soll. Denkbar ist so eine App auch für andere Krankheiten wie Parkinson, Depression oder Demenz.

Der Andrang auf Arztpraxen und Labore wegen einer möglichen Infektion mit dem neuartigen Coronavirus ist gerade – wie seit Monaten schon – hoch. In Zukunft könnte Spracherkennungssoftware medizinische Einrichtungen ein stückweit entlasten, was die Erkennung einer Krankheit wie Covid-19 angeht. Dann könnte es heißen: "Alexa, habe ich Covid-19?"

KI analysiert Sprechprobe

Die Erkennung der Krankheit funktioniert über Sprechproben, also über die Analyse von vokalen Biomarkern mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI). Die erste Diagnose-App des israelischen Start-ups Vocalis Health in Kooperation mit dem Verteidigungsministerium des Landes läuft gerade in einer weltweiten Testphase.

Eine ähnliche App hat das Sprachanalyse-Unternehmen in der Vergangenheit schon entwickelt, um den Verlauf von chronischen Lungenkrankeiten zu dokumentieren. Dazu untersuchten sie Sprechproben von Nutzerinnen und Nutzer auf Hinweise von Kurzatmigkeit.

Stimme spenden

Für ihre aktuelle App sammelt das Start-up seit Beginn der Corona-Pandemie Sprechproben von Menschen. Darunter sind nachweislich Corona-Infizierte und Patienten, deren Testergebnis negativ war. Die Audios analysiert das Start-up mithilfe eines Algorithmus auf deutliche Unterschiede, der bezeichnende Abweichungen in der Stimme erkennt.

"Dieser Diagnose-Ansatz soll ja eben im Idealfall einen grippalen Infekt und Covid-19 auseinanderhalten können."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Zwar soll das Tool keine endgültige Diagnose über eine Covid-19-Erkrankung liefern, aber Fälle für das medizinische Personal herausfiltern, in denen ein Coronatest ratsam ist, die in Quarantäne sollten oder medizinische Hilfe brauchen. Das wiederum könnte Gesundheitssysteme entlasten, die mit ihren Kapazitäten aktuell an Grenzen stoßen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat.

Auch andere Krankheiten über die Stimme erkennen

Das Potenzial ist also da. Ähnliche Projekte zu dem Thema laufen an weiteren Forschungseinrichtungen. Die Carnegie Mellon University in den USA forscht zum Beispiel auch zu einer Corona-Analyse-App, für die Menschen Stimmproben spenden können.

Auch wenn die Fachrichtung der Analyse von vokalen Biomarkern aktuell noch vergleichsweise jung ist, könnten solche Apps in Zukunft Hinweise für die Diagnose von Krankheiten wie beginnender Demenz, Parkinson, Depression, Autismus oder Herz-Kreislauf-Problemen liefern, schreibt das Fachmagazin Nature. Durch den große Anzahl der analysierten Daten wäre auch die Früherkennung einer Epidemie denkbar.

Datenkrake Gesundheits-App?

Aktuell fehlen aber noch die großen Studien auf dem Gebiet der Krankheitsdiagnose per Sprachaufnahme. Das heißt: Die Fehleranfälligkeit ist gegeben, erklärt Michael Gessat.

Auch müsse in Zukunft noch die Frage nach dem Datenschutz geklärt werden. "Will ich tatsächlich, dass ein KI-System mich dauerdiagnostiziert und irgendjemand dann Zugriff auf diese Diagnosen hat", fragt er.