Ein Runderlass während des Zweiten Weltkriegs legte fest, dass teils auch verurteilte Straftäter zum Wehrdienst eingezogen werden können. In der "Strafdivision 999" erwarteten sie Drill- und Gehorsamsübungen. An der Front wurden sie zu lebensgefährlichen Einsätzen hinter die feindlichen Linien geschickt. Die Strafdivision wurde 1944 aufgelöst.

Am 11. April 1942 verfügt das Oberkommando der Wehrmacht in einem Runderlass, dass auch jene Männer zum Wehrdienst eingezogen werden können, die aufgrund eines Strafurteils vor einem zivilen Gericht ihre "Wehrwürdigkeit" verloren hatten und bis dahin nicht eingezogen worden sind.

Zigtausend Häftlinge sind davon betroffen. Die meisten von ihnen sind wegen krimineller Delikte verurteilt worden, etwa ein Drittel ist einer der Oppositionsgruppen zuzuordnen, die zuvor durch Gestapo und Polizei zerschlagen worden sind. Sie können nun ihre Freiheit wieder erlangen, wenn sie das, was man von ihnen an der Front erwartet, überleben. Davon ausgeschlossen sind Landesverräter, Homosexuelle, Juden, Sinti und Roma und Männer, die keine deutsche Staatsangehörigkeit hatten.

Ein sogenannter Stolperstein erinnert als in den Gehweg eingelassenes Denkmal an Hans Klapper, der - laut Inschrift - im Strafbataillon ermordet wurde.
Ein sogenannter Stolperstein erinnert als in den Gehweg eingelassenes Denkmal an Hans Klapper, der - laut Inschrift - im Strafbataillon ermordet wurde.

Drill- und Gehorsamsübungen sowie nationalpolitische Schulungen

In der Strafdivision 999 erwarten sie zunächst Drill- und Gehorsamsübungen, strenge Kasernierung ohne Ausgangs- und Urlaubsregelungen sowie nationalpolitische Schulungen, um aus den "Wehrunwürdigen ordentliche, pflicht- und ehrliebende, tüchtige Soldaten" zu machen.

Strafvollzug oder KZ für diejenigen, die an den Anforderungen scheitern

Wer diesen Anforderungen genügt, wird an die Front verlegt. Wer daran scheitert, muss den Strafvollzug wieder antreten oder wird in ein Konzentrationslager überstellt. An der Front erwarten die Angehörigen der Strafdivision 999 lebensgefährliche Einsätze hinter den feindlichen Linien oder nicht minder gefährliche Befehle zum Entschärfen von Minen.

Rund 1.500 'bedingt Wehrwürdige' desertieren bei einem Einsatz

Bis zum Ende des Krieges hat die Strafdivision 999 knapp 30.000 Angehörige mit dem Status "bedingt wehrwürdig", rund 1.500 von ihnen desertieren bei einem Einsatz und laufen – vor allem in Griechenland und auf dem Balkan – zu örtlichen Partisanenverbänden über. Die Strafdivision 999 wird am 18. September 1944 aufgelöst, nachdem sich Unzuverlässigkeiten und Fahnenflucht gehäuft hatten.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Zeitungsjournalist und Historiker Joachim Käppner hat ein Buch über die Strafdivision 999 veröffentlicht und schildert den Alltag der Einheit.
  • Der Historiker Magnus Koch hat sich wissenschaftlich mit der Strafdivision 999 beschäftigt und eine Wanderausstellung organisiert.
  • Der Historiker Wolfram Wette ist Experte für die historische Erinnerungskultur in der Bundesrepublik und ordnet das Gedenken an die Deserteure ein.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld erläutert das System der Bewährungsbataillone, die es während des Zweiten Weltkriegs gegeben hat.
  • Eine Stunde History
  • Moderation:  Meike Rosenplänter
  • Gesprächspartner:  Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte