Wir Deutschen gehen im Durchschnitt 18 Mal im Jahr zum Arzt. Auch, weil man schon nach drei Fehltagen bei der Arbeit ein Attest braucht. Kranke sollen eine Woche zu Hause bleiben können - ohne Krankschreibung. Das fordern Mediziner.

In Norwegen machen sie es schon. Dort sind die Fristen für Fehltage bei Krankheit viel lockerer. Arbeitnehmer müssen teils erst nach 24 Tagen zum Arzt und sich krankschreiben lassen. Aber machen dann nicht alle Norweger ständig blau?

Anscheinend nicht. Die Zahl der Fehltage durch Krankheit ist rückläufig. Die Norweger gehen auch nur fünf Mal im Jahr zum Arzt. Und der Gesundheitszustand ist vergleichbar mit dem deutschen.

Hobby Arztbesuch

Mediziner der Universität Magdeburg plädieren in der "Welt am Sonntag" dafür, die Regeln für die Krankschreibung auch in Deutschland zu lockern. Bei uns braucht man spätestens nach dem dritten Fehltag eine Krankschreibung für den Arbeitgeber.

Oft geht es um Erkrankungen, die nicht gefährlich sind und nur kurz andauern. Schnupfen, Husten, Magen-Darm. Beim Arztbesuch geht es dann vor allem um das vorgeschriebene Attest. Doch diese Besuche kosten viel Geld und überfüllen die Arztpraxen. Ärzte haben weniger Zeit, sich um Patienten mit langwierigeren Erkrankungen zu kümmern.

Skepsis bei den Arbeitgebern

Die Arbeitgeber sehen die Vorschläge der Mediziner eher misstrauisch. "Die gesetzlichen Regelungen zu Krankschreibungen haben sich in Deutschland insgesamt bewährt", erklärte der Arbeitgeberverband BDA in der Welt am Sonntag.