Die Corona-Pandemie hat es uns noch einmal deutlich vor Augen geführt: Deutschland hat zu wenig Pflegekräfte und diejenigen, die ihren Beruf ausüben, leiden unter schlechter Bezahlung und großem Arbeitsdruck. Pflegeroboter könnten entlasten. In ihren Vorträgen im Hörsaal wägen Oliver Bendel und Armin Grunwald Vor- und Nachteile ab.

Die Vorstellung von künstlichen Helfern Zuhause oder im Heim finden derzeit viele Beteiligte (noch) unmenschlich. Für den Philosophen Oliver Bendel steht am Anfang aller Überlegungen, wie dabei die Menschenwürde der Pflegebedürftigen erhalten werden kann. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist in seinen Augen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die noch viele Jahre dauern wird.

Chancen und Risiken: Pflegen und sensible Daten sammeln

Auf der einen Seite sieht er kein Problem darin, moralische Regeln in die Roboter einzuprogrammieren, auf der anderen Seite weist er aber auch auf die großen Gefahren hin. Mit solchen Maschinen könnten wir uns Geräte ins Haus holen, die jede Menge sensible Daten sammeln können.

In seinem Vortrag verweist er beispielhaft auf den verunglückten Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher und die großen Interessen, die verschiedene Kreise an seinen Daten und deren Analyse hätten.

"Ich bin nicht für Pflegeroboter. Ich bin nicht gegen Pflegeroboter."
Oliver Bendel, Informationsethiker

Der nachfolgende Redner, Armin Grunwald, berichtet schon seit Jahren den Abgeordneten des Deutschen Bundestages über die Folgen, die eine solche Technik für die Gesellschaft haben könnte. Er arbeitet in einem Team mit einem guten Dutzend Mitarbeitern aus unterschiedlichen Fachrichtungen.

Sozial- und Politikwissenschaftler, Philosophen, Physiker, Chemiker und andere entwerfen Szenarien, wie eine Koexistenz von Pflegern und Robotern ausgestaltet werden könnte.

"Wir reden über gutes Leben und wissen, wie schwer es ist, Kriterien dafür zu bestimmen. Gute Pflege ist da nicht leichter."
Armin Grünwald, Philosoph

Die Kernfrage dabei lautet: Wie können wir mit der Pflegerobotik den Notstand in diesem Bereich begegnen. Grundlage dafür sind unzählige Gespräche über die Wünsche der Betroffenen: In Senioren- und Pflegeheimen machen sie sich deshalb ein Bild über die Belastung des Personals, der Angehörigen und Betroffenen. Dazu gehört auch die Kommunikation mit Demenzkranken.

Der Vortrag

Oliver Bendel ist Wirtschaftsinformatiker, ethischer Philosoph und Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Armin Grunwald ist Philosoph und Leiter des Büros Technikfolgenabschätzung (TAB) beim Deutschen Bundestag in Berlin. Gemeinsam mit seinem Team berichtet er den Parlamentariern regelmäßig über die Entwicklung auf dem Markt der Pflegerobotik und Künstlichen Intelligenz.

Den Abgeordneten, die selbst keine praktizierenden Wissenschaftler sind, werden so Informationen für ihre Beurteilung in dieser hoch diffizilen Grundsatzfrage an die Hand gegeben. Die Veranstalterin des Berliner Kolloqiums "Roboter in der Pflege: Wer hilft uns, wenn wir hilflos sind" war am 22.05.2019 die Daimler und Benz Stiftung.