Rettungskräfte wollen helfen. Leider werden sie dabei häufig zu Opfern. Beschimpfungen, Beleidigungen und sogar Gewalt - alles am Einsatzort. Johannes Döbbelt hat sich die aktuellen Zahlen angesehen.

Kriminologen der Ruhr-Universität Bochum haben solche Angriffe gegen Rettungskräfte jetzt genauer untersucht. Dafür haben sie Notfallsanitäter, Notärzte und Feuerwehrleute in Nordrhein-Westfalen befragt. Die Wissenschaftler wollten wissen, was die Rettungskräfte in den vergangenen zwölf Monaten erlebt haben. Das Ergebnis: 64 Prozent der Befragten wurden beim Einsatz beschimpft. 13 Prozent haben zusätzlich körperliche Gewalt erfahren.

Mit Gewalt ins neue Jahr

Andreas Jedamzik ist Vizevorsitzender der Feuerwehrgewerkschaft in NRW und hat in seinen Einsätzen schon Gewalt gegen sich und seine Kollegen erlebt. Ein Beispiel hat er im Deutschlandfunk erzählt - als er einmal an Silvester zum Feuerlöschen raus musste:

"Der erste Trupp ist vorgegangen und als er angekommen war, flogen auf einmal die Böller und Raketen aus zwei, drei Metern Entfernung."
Andreas Jedamzik, Feuerwehrgewerkschaft NRW

Wer sind die Täter?

• Meist Männer zwischen 18 und 39 Jahren, häufig betrunken oder auf anderen Drogen, wenn sie dann pöbeln oder schimpfen.

• In der NRW-Studie aus Bochum sagen die befragten Rettungskräfte, dass sie 40 Prozent der Täter einen Migrationshintergrund zuordnen können.

Andreas Jedamzik von der Feuerwehrgewerkschaft sagt aus seiner Erfahrung, dass die verbale oder körperliche Gewalt von Menschen aus allen möglichen Schichten und unterschiedlichen Nationalitäten komme.

"Wir haben da vom gebildeten Professor, der sich zugeparkt fühlt und dann auf uns losgeht, bis zur Großfamilie, die sich bedrängt fühlt, alles."
Andreas Jedamzik, Feuerwehrgewerkschaft NRW

Im vergangenen Jahr hat der Bundestag eine Gesetzesverschärfung beschlossen. Wenn jemand einen Polizisten, Feuerwehrmann oder Sanitäter tätlich angreift, kann er zu einer Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren verurteilt werden. Die Gesetzeslage ist also schon relativ streng. Problematisch sei eher die Umsetzung, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt.

Bei großen Gruppen kann die Polizei oft zum Beispiel nicht feststellen, wer genau was gemacht hat. "Deshalb werden viele Verfahren eingestellt", sagt Johannes Döbbelt.

Hinzu kommt: Weil die Täter häufig ziemlich betrunken oder berauscht sind, wenn sie auf Rettungskräfte losgehen, werden sie vor Gericht oft wegen eingeschränkter "Steuerungsfähigkeit" nur gering bestraft.