Sieben Jahre lang war der Verkauf von Alkohol in Baden-Württemberg nach 22 Uhr verboten. Forschende haben den Zeitraum ausgewertet und kommen zu dem Ergebnis: In dieser Zeit gab es weniger Gewalttaten.

Von 2010 bis 2017 galt in Baden-Württemberg ein Alkohol-Verkaufsverbot. Ab 22 Uhr durfte an Kiosken und Tankstellen sowie in Supermärkten kein Alkohol mehr verkauft werden. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte das Verbot damals eingeführt. Später wurde es unter der grün-schwarzen Landesregierung wieder aufgehoben.

Deutlich weniger Körperverletzungen

Untersuchungen zeigen nun, dass das Alkohol-Verkaufsverbot vielleicht gar nicht so schlecht war, zumindest mit Blick auf die Zahl der Gewalttaten. In diesem Zeitraum gab es nämlich ungefähr 11 Prozent weniger leichte Körperverletzungen und ungefähr 8 Prozent weniger schwere Körperverletzungen.

Die Zahlen müssten ziemlich genau sein, denn die Forschenden hatten für ihre Untersuchung beste Bedingungen. Sie konnten die Kriminalitätsberichte zwischen 2010 und 2017 mit Statistiken vor und nach dem Verbot vergleichen. Außerdem konnten sie zum Vergleich Zahlen aus dem Nachbarbundesland Hessen heranziehen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Autorin Ann-Kathrin Horn.

"Mit den ganzen Daten konnten die Forschenden ziemlich genau berechnen, wie viel weniger Gewalttaten es gab und ob die tatsächlich mit dem Alkohol-Verkaufsverbot zusammenhängen."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Alkohol-Verkaufs-Verbot hat jene erreicht, die es erreichen sollte

Natürlich hat dieses Alkohol-Verkaufsverbot in Baden Württemberg niemanden daran gehindert, sich zu betrinken, wenn er es wollte. In Restaurants, Kneipen und Bars wurde weiterhin Alkohol ausgeschenkt. Aber die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass das Verbot genau jene erreicht hat, die es erreichen sollte: Junge Leute, die ihren Alkohol am Kiosk oder im Supermarkt kaufen und dann auf öffentlichen Plätzen, in Parks, oder vor Kneipen trinken.

Verbot hat Auswirkungen auf Gewalttaten, die im Affekt passieren

Auch die Zahlen von Raubüberfällen und Sexualdelikten wurden für die Studie untersucht. Hier haben die Forschenden keine Unterschiede festgestellt. Das untermauert ihre Theorie, dass das Alkohol-Verkaufsverbot vor allem Auswirkungen auf Gewalttaten hatte, die im Affekt passieren oder aus einer Gelegenheit heraus - wie eben Körperverletzungen.

Ihrer Theorie nach passierten leichte und schwere Körperverletzung oft im Affekt, wenn sich viele Menschen betrunken irgendwo draußen aufhalten. Folglich kommen sie zu dem Schluss: Wenn es keinen Anreiz mehr gibt, unter Alkoholeinfluss draußen abzuhängen, gibt es auch weniger Konflikte.