Die Katastrophe im chinesischen Tianjin geht weiter. Wasserproben zeigen extrem hohe Zyanid-Werte. An der Unglücksstelle wurden vermutlich 700 Tonnen Natriumcyanid gelagert. Der Stoff ist gut für die Bergbauindustrie. Aber gelangt er in den menschlichen Körper, kommt es zur inneren Erstickung. "Zyanid ist ein extrem giftiger Stoff", sagt der Chemiker Christian Wittenburg.

Mitte August gab es mehrere Explosionen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin: In einem Gefahrgutlager kam es zu einem Chemieunfall. Über hundert Menschen starben, Dutzende werden noch vermisst. Wasserproben rund um die Unglücksstelle zeigen eine weitere Katastrophe: Die Zyanid-Belastung liegt um das 356-Fache über dem nationalen Grenzwert, so chinesische Behörden.

"Zyanid ist ein teuflisches Zeug. Bei Menschen kann es zur inneren Erstickung führen. Der Stoffwechsel bricht zusammen. Man kann in wenigen Minuten sterben."

"Zyanid ist ein extrem giftiger Stoff", sagt der Chemiker Christian Wittenburg. Agenten in James Bond-Filmen tragen Zyankali-Kapseln bei sich, um sich möglichst schnell das Leben zu nehmen. Agenten in der Realität haben oder hatten wohl auch solche Kapseln bei sich.

Natriumcyanid wird im Bergbau genutzt

In China geht es konkret um Natriumcyanid, das durch die Explosion weit verteilt wurde. Der Stoff wird zum Beispiel in der Bergbauindustrie genutzt. Da kommt das Natriumcyanid in der sogenannten Zyanidlaugerei zum Einsatz. Denn der Stoff löst zum Beispiel die Schwermetalle Gold und Silber aus Erzen. Das ist möglich, weil Natriumcyanid mit Metallen feste Verbindungen eingeht - sogenannte Komplexe.

"In 600 Metern Entfernung von einem Wohngebiet - erscheint es mir zumindest fahrlässig."

Doch diese festen Verbindungen geht der Stoff auch ein, wenn er in den menschlichen Körper gelangt. Es kommt zur inneren Erstickung, sagt Christan Wittenburg. Denn das Natriumcyanid verbindet sich mit den Metallen im Körper: mit Eisen, Hämoglobin oder auch mit Kupfer in den Atmungsketten der Zellen.

In China wurden in dem Gefahrgutlager 700 Tonnen Natriumcyanid gelagert. Das ist eine relativ große Menge, sagt Wittenburg.