Die gleiche Machtfülle für Frauen und Männer? In Parteien und im Bundestag ist noch Luft nach oben. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann und die stellvertretende Juso-Vorsitzende Almut Großmann über strukturelle Probleme und konkrete Lösungsvorschläge.

Frauen sind im Bundestag und in der deutschen Politik allgemein deutlich unterrepräsentiert. Bei ihrem Besuch in Island hat Angela Merkel unter anderem auch in diesem Bereich Nachholbedarf diagnostiziert. Nur etwas mehr als 30 Prozent der Abgeordneten sind weiblich. In Island sind es gut 38 Prozent. In einer Vielzahl europäischer Parlamente sieht es besser aus als in Deutschland. In Schweden und Spanien halten Frauen 47 Prozent der Parlamentssitze. Im weltweiten Ranking liegt Deutschland auf Platz 46.

Freiwilligkeit ist keine Lösung

Elisabeth Motschmann (CDU) und Almut Großmann (Jusos) sind sich einig, dass freiwillige Regelungen nicht ausreichen werden, um Frauen tatsächlich mehr politische Macht zu verschaffen.

"Die Geduld der Frauen, auch meine eigene, ist überstrapaziert. Wir müssen jetzt andere Schritte gehen, um das zu verbessern."

Die beiden Feministinnen gehören unterschiedlichen Generationen an. Die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann ist Jahrgang 1952. Almut Großmann, stellvertretende Bundesvorsitzende der Jusos, wurde im Jahr 1995 geboren. Von den strukturellen Hindernissen, die auch innerhalb der SPD Jugendorganisation für Frauen bestehen, wurde sie überrascht.

"Man hat häufig zu kämpfen, um Gehör zu finden, aber auch bei Kandidaturen. Ich glaube das ist nicht die Ausnahme bei uns, sondern eher die Regel."

Ein weiteres Hindernis sieht Almut Großmann in der eigenen Sozialisation. Mädchen würden eben immer noch so erzogen, dass sie eher die zurückhaltenden sein sollen. In der politischen Praxis innerhalb einer Partei sei allerdings das Gegenteil gefragt, wenn es um Verantwortung und Machterwerb geht, findet auch die Elisabeth Motschmann.

"Wir sind nicht fordernd genug und müssen riskieren, in eine Kampfkandidatur zu gehen. Das ist niemals angenehm."

Die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann findet es grundsätzlich wichtig, Frauen zu politischem Engagement zu ermutigen. Sie setzt sich konkret für eine Reform des Wahlrechts ein. Auf dem Weg zur Gleichberechtigung sieht sie in paritätischen Landeslisten der Parteien eine sinnvolle Option. Auch bei den Direktmandaten könnte es verpflichtend sein, in den Wahlkreisen jeweils eine Frau und ein Mann zur Wahl zu stellen.

"Wir müssen eine Wahlrechtsänderung haben, weil die Freiwilligkeit uns nicht weitergebracht hat. Das bedeutet paritätische Landesliste, dass man überlegen muss, ob man nicht im Wahlkampf einen Mann und eine Frau aufstellt."