Schweden ist in Sachen Gleichberechtigung traditionell ganz vorne mit dabei. Zum Beispiel sagen sie "han" für er,"hon" für sie - und schließlich "hen" für geschlechtsneutrale Personen. Nun haben die Schweden beschlossen, dass "hen" in die offizielle Wörterliste des Schwedischen aufgenommen werden soll.

Das Personalpronomen "hen" ist etwas Besonderes. Die Schweden haben das Wort aus der finnischen Sprache übernommen. Dort gibt es überhaupt kein "er" oder "sie", sondern ausschließlich "hen" für Personen. Da spielt es keine Rolle, ob es um Mann oder Frau geht. Man kann es benutzen für eine transsexuelle Person, oder wenn man das Geschlecht nicht weiß oder man ausdrücken will, dass das Geschlecht egal ist. Am ehesten lässt es sich mit einem "männlich und/ oder weiblich" umschreiben. Klingt sperrig, wird in Schweden aber gut angenommen.

"Man könnte denken, dass das nur in hardcore-feministischen Kreisen verbreitet ist, so ein bisschen wie bei uns am Anfang von Student-Innen & Co. Aber das stimmt nicht mehr."
DRadio-Wissen-Redakteurin Britta Wagner

Das neutrale schwedische Fürwort "hen" hat in Deutschland kein Pendant. Mit dem "es" hat das nichts zu tun, für Dinge gibt es im Schwedischen eigene Pronomen. "Auf Deutsch müsste man dann etwas konstruieren wie 'er-sie'", sagt DRadio-Wissen-Nachrichtenredakteurin Britta Wagner, "oder ich habe auch schon den Vorschlag 'eos' als Kurzform von 'er-oder-sie' gelesen."

Die Eltern heißen "Mappa" und "Pamma"

In Schweden taucht "hen" auch in der gedruckten Sprache auf. Sogar ein Kinderbuch gibt es: Über Kivi, ein Kind, das sich einen Hund wünscht, aber nicht sofort bekommt. Da steht konsequent "hen", statt der schwedischen Wörter für er oder sie. Die Geschlechterneutralität geht sogar noch weiter: Mama und Papa heißen nicht Mama und Papa, sondern "Mappa" und "Pamma"

Kritiker werfen ein, dass Kinder erst einmal lernen sollten, was Mann und Frau eigentlich sind. "Nur weil man nicht mehr 'er' oder 'sie' sagt, heißt das ja auch noch lange nicht, dass Geschlechter plötzlich keine Rolle mehr spielen, auch dann wird es noch immer Diskriminierung geben."