Das "Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen" soll Karrierechancen von Frauen erhöhen - aber: Will ich überhaupt Karriere machen? Fragt unsere Reporterin Julia Möckl.

Seit ungefähr sechs Jahren arbeite ich beim Radio. Die Arbeit macht mir Spaß und ich verdiene genug Geld zum Leben. Erfolg? Da ginge mehr, vor allem wenn ich mich mit Kolleginnen wie der Journalistin Greta Taubert vergleiche.

"Ich glaube, dass ich in die Sachen, die ich mache, immer mit dem ganzen Arsch reinhüpfe."
Greta Taubert, Journalistin und Autorin

Sie hat wie ich in Leipzig Journalistik studiert, aber ist heute schon viel erfolgreicher als ich. Die Journalistin schreibt Bücher und wird in Talkshows eingeladen. Sie hängt sich in ihre Arbeit voll rein, obwohl sie eine fünfjährige Tochter hat. Dahinter steckt keine Karriereplanung, das Wort findet die 33-Jährige gruselig. Sie sagt, dass es in ihrem beruflichen Leben bisher nichts gab, das sie nicht hätte machen können, weil sie eine Frau ist.

Männer sind die besseren Netzwerker

Claudia Cornelsen hat in dieser Hinsicht auch schon andere Erfahrungen gemacht. Die Kommunikationsberaterin für Führungskräfte sagt: Viele Frauen bekommen gar nicht erst die Chance sich zu beweisen - weil ihnen aufgrund immer noch bestehender Klischees und Stereotype manche Jobs oder Führungspositionen nicht zugetraut werden. Zu dieser These passt auch eine internationale Studie, nach der die Wahrscheinlichkeit, Bewertungen wie "excellent" oder "scientific leader" zu bekommen, für männliche Wissenschaftler doppelt so hoch ist wie für Frauen.

"Die Grundregel ist: Sorge dafür, dass deine Leistung positiv wahrgenommen wird."

Für beruflichen Erfolg ist laut Claudia Cornelsen daher nicht nur Leistung allein ausschlaggebend, sondern unter anderem auch die Fähigkeit zum erfolgreichen Netzwerken: 70 Prozent der Zeit helfe ich einem Kollegen oder Kollegin, 20 Prozent der Zeit schenke ich ihm oder ihr mein Vertrauen und zehn Prozent der Zeit beanspruche ich die Kollegin oder den Kollegen für meine Unterstützung. Unter Männern funktioniert dieses System laut Claudia Cornelsen gut, für sie sei Loyalität oft ein höherer Wert als Leistung oder Geld.

Julia Möckl
© Julia Möckl
DRadio-Wissen-Reporterin Julia Möckl hat ihren beruflichen Werdegang kritisch unter die Lupe genommen.

Wenn ich in dieser männerdominierten Berufswelt also Erfolg haben will, muss ich entweder das Netzwerken und andere Erfolgsstrategien richtig drauf haben, oder mich voll und ganz in meinen Job hängen wie Greta Taubert. Erfolg hat seinen Preis, das ist in Ordnung. Ich finde es aber auch völlig legitim zu sagen: Mir ist das zu stressig.

Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig über das Gesetz: