In den Niederlanden fahren gestresste Manager auf Bauernhöfe – um mit Kühen zu kuscheln. Das "Koe-Knuffelen" ist inzwischen auch in Deutschland und den USA beliebt. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Suzan Bazarkaya hat es ausprobiert.

To-Do-Listen nehmen gerne kein Ende. Neben Ausbildung oder Arbeit und allem anderen, was wir täglich sowieso erledigen müssen, gesellt sich gefühlt pausenlos noch mehr dazu: die Steuer machen, Mama anrufen, Wohnung ausmisten, das Fahrrad reparieren, Pakete abholen...

Auch Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Suzan Bazarkya geht das so. Deshalb ist sie auf einen Bauernhof in der Nähe von Köln gefahren. Das Ziel: sich von dem ganzen Stress mal zu erholen und die Energiespeicher wieder aufzuladen – und zwar mit Hilfe von Kühen und Ochsen.

"Ganz warm und weich fühlt sich der massive Körper an. Fressen, Hinlegen, Wiederkäuen, Kuscheln – Die Kühe sind hier sind entspannt, weil sie einen ruhigen Tagesablauf haben."
Suzan Bazarkaya, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Seit neun Jahren fliehen gestresste Menschen auf den Hof von Melanie Eschmann-Rosenthal und ihrem Mann im Bergischen Land. Zehn Kühe und Ochsen leben hier. Sie müssen keine Milch geben oder andere schwere Arbeit erledigen.

Melanie Eschmann-Rosenthal im Stall mit ihren Kühen
© Deutschlandfunk Nova | Suzan Bazarkaya
Seit neun Jahren kann man auf dem Kuhhof von Melanie Eschmann-Rosenthal mit den Kühen kuscheln

Darauf trainierte Kühe eignen sich hervorragend zum Kuscheln

Ihre einzige Aufgabe: Kuscheln – und zwar mit Menschen. Eine Zumutung ist das für die Tiere nicht, sagen ihre Besitzer, wenn man sie an Menschen gewöhnt. Im Gegenteil: Kühe eignen sich dafür besser, als man auf den ersten Blick glauben würde, sagt Kuh-Experte Henk Blok.

"Das Kuscheln ist für handzahme Kühe kein Stress. Wenn man sich intensiv mit ihnen beschäftigt, werden sie so zahm wie ein Hund und hören aufs Wort."
Henk Blok, Landwirt und Experte für Milchkühe

Auch bei Melanie Eschmann-Rosenthal wird keine Kuh zum Kuscheln gezwungen. Wenn die Kuh keine Lust mehr hat, wendet sie sich einfach ab, erzählt sie. Und dann gehen die Kuhkuschler eben zum nächsten Tier.

Reporterin Suzan Bazarkaya lehnt an Kuh im Stall
© Deutschlandfunk Nova | Suzan Bazarkaya
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Suzan Bazarkaya findet ihr Glück am Rücken von Kuh Isabella.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Suzan Bazarkaya ist nach ein paar Stunden auf dem Hof von der entspannenden Wirkung des Kuhkuschelns überzeugt – auch, wenn sie sich anfangs überwinden musste. Schließlich sind Kühe und Ochsen nicht gerade kleine Tiere. Zwischen 700 und 800 Kilo wiegt zum Beispiel der Ochse Bambi. Doch gerade die Masse der Tiere wirkt so beruhigend, erzählt Suzan Bazarkaya.

Niemals fremde Kühe kuscheln

Aber Achtung: Ihr solltet nicht einfach zu der nächstgelegenen Kuhweide fahren und die Tiere dort umarmen. Denn bei Tieren, die man nicht kennt, weiß man nicht, wie sehr sie an Menschen gewöhnt sind oder ob ein Bulle dabei ist, der aufpasst, erklärt Melanie Eschmann-Rosenthal.