"Unsere Kurve", der Interessenverband der Fußballfans, fordert eine Regulierung von Sportwettenwerbung im Fußball. Es sei eine moralische Frage, aus welchen Töpfen das Geld der Vereine kommt. Diese sollten auf die Kooperationen mit Sportwettenanbietern verzichten, Fans für die Problematik sensibilisieren und Beratungsstellen unterstützen.

Wer viel Sport schaut, kommt an Sportwettenwerbung nicht vorbei: tipico, BWin oder Tipster sind gefühlt überall – und dass, obwohl laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung etwa 430.000 Menschen in Deutschland süchtig nach Glücksspielen sind. Das geht so nicht, findet das Fanbündnis "Unsere Kurve". Sie haben ein Statement veröffentlicht und sprechen sich für eine Regulierung der Sportwettenbranche aus.

Egal ob im Stadion, im TV, auf dem Handy, an Plakatwänden oder in Printmedien: Die Sportwettenanbieter werben aktuell mit einer noch nie dagewesenen Aggressivität, sagt Markus Sotirianos, Vorstandsmitglied von "Unsere Kurve e.V." und Mitverfasser des Statements. Wer sich für Fußball interessiert, könne sich dem nirgends entziehen.

Sucht nach Sportwetten

An Sportwetten darf man sich erst ab 18 Jahren beteiligen, so wie auch Tabak erst ab 18 konsumiert werden darf. Denn sie können süchtig machen, sagt Markus Sotirianos. Das füge den Süchtigen und deren Familien und Umfeld großes Leid zu.

"Sportwetten haben einen Suchtfaktor und führen Süchtige und ihr Umfeld in großes Leid. Vereine und Verbände lassen sich vor die Karren dieser Industrie spannen."
Markus Sotirianos, Vorstandsmitglied von "Unsere Kurve e.V."

Die Schäden trage die Gesellschaft. Viele Vereine und Verbände würden sich vor die Karren dieser Industrie spannen lassen und ihr die Fans quasi ausliefern. Dabei werde auch noch so getan, als ob Wetten zum Fußball und zur Fankultur ganz normal dazugehören. Markus Sotirianos findet das nicht in Ordnung.

Forderung nach einer Selbsterklärung

Vereine und Verbände, fordert "Unsere Kurve", sollten ab der kommenden Saison eine Selbsterklärung vereinbaren und darin auf die Kooperation mit Sportwettenanbietern verzichten. Laufende Verträge sollten nicht mehr verlängert werden. Gleichzeitig sollten Vereine und Verbände die Fans für die Problematik sensibilisieren und auch Beratungs- und Präventionsstellen finanziell unterstützen – und zwar mit der Hälfte des Geldes, das sie von der Sportwetten-Industrie erhalten, so Markus Sotirianos.

"Vereine und Verbände müssen die Fans für die Problematik sensibilisieren und Beratungsstellen finanziell unterstützen."
Markus Sotirianos, Vorstandsmitglied von "Unsere Kurve e.V."
Borussia Dortmund und SC Freiburg spielen, die Bandenwerbung für Sportwetten läuft mit – aufenommen am 01.12.2018
© Imago | Joerg Eibner
Bandenwerbung für Sportwetten beim Spiel Dortmund vs. Freiburg

Zusätzlich müsse die Politik natürlich auch die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Sportwettenwerbung aus dem Stadion und von Trikots verschwindet. Auch aus den Steuereinnahmen müssten Anlaufstellen für Suchtkranke besser ausgestattet werden. In anderen Ländern in Europa habe das bereits geklappt.

"Dreckiges Geld" und eine moralische Frage

Wenn die Vereine die Zusammenarbeit mit der Sportwettenindustrie reduzieren oder beenden, müssten sie auf viel Geld verzichten – Geld, das sie vielleicht brauchen beziehungsweise einplanen, um international mitmischen zu können und konkurrenzfähig zu sein.

"Es ist eine moralische Frage, wie man seine Gelder generiert und aus welchen Töpfen sie kommen. Irgendwann muss man sich eben die Frage stellen: Wie dreckig darf das Geld sein, das in den Fußball reingepumpt wird?"
Markus Sotirianos, Vorstandsmitglied von "Unsere Kurve e.V."

Wie die Vereine ihre Einnahmen generieren, sei eine moralische Frage – wie viel Wirbel das erzeugen kann, habe man nicht zuletzt erlebt, als Werder Bremen Verträge mit Wiesenhof abgeschlossen hat. Oder Bayern München mit Qatar Airways. All das werde heute sehr stark hinterfragt von Fans.

Fußball und Jugendschutz

Es gebe viele obskure Investoren, die ihr Geld in den Fußball reinpumpen – beim Jugendschutz sollte aber eine Grenze sein, sagt Markus Sotirianos.

Eigentlich müsste man konsequenterweise sagen: Unter 18-Jährige dürfen nicht ins Stadion. Das will aber eigentlich niemand. Deshalb sollten nicht die Fans raus aus den Stadien – sondern die Sportwettenwerbung, so wie es in Italien und Spanien auch schon der Fall ist.

"Wir finden, dass beim Jugendschutz und bei Jugendschutzgesetzen eigentlich die Grenze sein sollte."
Markus Sotirianos, Vorstandsmitglied von "Unsere Kurve e.V."

Das Problem: Moralisch einwandfrei ist der Fußball – beziehungsweise der Profisport generell – an sehr vielen Stellen schon lange nicht mehr. Allein die Millionenbeträge, die manchen Fußballern an Gehältern gezahlt werden, sind gesellschaftlich nicht wirklich in Ordnung, sagen viele. Wo fängt man also an und wo hört man auf?

Klare Antwort von Markus Sotirianos: Irgendwo muss man anfangen. Die eine oder andere Reaktion aus den Verbänden und auch von den Vereinen gebe es bereits. Man stehe dem Anliegen offen gegenüber und wolle auch darüber sprechen. Wohin das jetzt führe, werde man sehen.