In einer Welt, in der Donald Trump in Sachen Klimawandel sagen kann: "Das glaube ich nicht", ist es für Verschwörungstheoretiker, Esoteriker und Pseudowissenschaftler ein Leichtes, ein Publikum zu finden. Umso schwerer für die Jury des Preises "Das goldene Brett" nur drei Kandidaten für ihre satirische Auszeichnung ins Rennen zu schicken. Aber sie – und die Nominierten – haben alles gegeben. 

Aus Deutschland kommt die zweifelhafte Ehre, auf der Shortlist für "Das goldene Brett" zu stehen, Hans Tolzin zuteil. Julia Offe aus der Jury des satirischen Preises sagt, der Impfgegner zweifele die Existenz von Viren und anderer Mikroorganismen an und folgere daraus: Impfen ist schädlich. Hans Tolzin wittere eine große Verschwörung der Pharmaindustrie und richte vor allem bei Eltern großen Schaden an, die verunsichert sind, ob sie ihre Kinder impfen lassen sollen. 

Per Reinkarnation nach Atlantis

In der Schweiz bewirbt sich unfreiwillig Christina von Dreien um das "Goldene Brett". Sie betreibt einen sehr erfolgreichen Youtube-Kanal. Ihre Themen: Die Erde ist hohl und in ihrem Inneren verstecken sich Überlebende der versunkenen Stadt Atlantis. Christina von Dreien glaubt, das besonders gut beurteilen zu können: Schließlich erfreue sie sich mittlerweile ihrer fünften Reinkarnation – dreimal landete sie dabei nach eigener Aussage in Atlantis. 

Österreich schickt in Sachen "Goldenes Brett" gleich eine ganze Einrichtung ins Rennen: das Krankenhaus Wien Nord. Eines Tages soll es das größte Hospital der Alpenrepublik werden. Und damit beim Bau nichts schiefgeht, haben die Verantwortlichen für die Baustelle die Dienste eines Energetikers in Anspruch genommen – für 95.000 Euro – aus öffentlichen Geldern. Dessen Auftrag: Einen energetischen Schutzwall rund um das Krankenhaus errichten. Damit weder böse Geister noch böse Schwingungen den Patienten zu Leibe rücken können. Besonders clever: Ab einer Summe von 100.000 Euro hätte dieser Spezialauftrag öffentlich ausgeschrieben werden müssen.

Die Kriterien des "Goldenen Brettes"

Die Kriterien, um in die enge Auswahl der Jury des "Goldenen Brettes" zu kommen: 

  • Der Grad der Abwegigkeit. Also die Frage, wie fest die Kandidatinnen ihre Augen vor der Realität verschließen.
  • Das finanzielle Interesse
  • Der mögliche Schaden, der angerichtet werden kann. 

Anhand dieser Kriterien wird klar – die Macherinnen würden niemals eine Yogalehrerin nominieren. Denn ob deren Schüler an Chakren glaubten oder nicht, könne keinen großen Schaden anrichten, erklärt Julia Offe. Das war bei früheren Nominierten anders: Sie versicherten per Geisterheilung ein wirksames Mittel gegen Krebs gefunden zu haben und forderten ihre Patienten dazu auf, sich auf keinen Fall von einem zugelassenen Arzt behandeln zu lassen.

Julia Offe
© Gesine Born
Auf der Jagd nach dem größten Unfug des Jahres – Julia Offe

Das Team hinter dem "Goldenen Brett" hat nach eigener Aussage einen wissenschaftlichen Hintergrund – und sie beschäftigten sich schon lange mit der Thematik. Bei all dem sind sie sich bewusst, dass auch Wissenschaft dem Wandel unterworfen ist. Trotzdem haben sie ein großes Ziel: Haltlose Behauptungen sollen nicht gleichwertig neben wissenschaftlichen Erkenntnissen und Errungenschaften stehen dürfen, in die wahnsinnig viel Arbeit geflossen ist.   

"Ich glaube nicht, dass wir die überzeugten Esoteriker erreichen. Ich hoffe, dass wir die Zweifler, die ein bisschen schwanken, erreichen."
Julia Offes , Jury des "Goldenen Brettes"

Julia Offes Hoffnung: Vielleicht gerate die eine oder andere Konsumentin eines esoterischen Youtube-Channels ins Grübeln. Und wenn sie dann beim Googeln auf die Seite des "Goldenen Brettes" stoße und merkt: Es geht nicht alles mit rechten Dingen zu – dann sei schon viel gewonnen.  

"Das Goldene Brett" wird am 28. November 2018 in Wien verliehen.