Gräser können unscheinbar wirken, sind aber enorm wichtig für unsere Ernährung. Zu ihnen zählen nämlich auch Getreidesorten. Bisher schützen wir Graslandschaften noch zu wenig und gefährden sie zu stark.

Wenn wir über Klimaschutz sprechen, geht es oft darum, dass wir Wälder schützen müssen. Was in Vergessenheit gerät, sind Gräser. Dabei sind Grasländer ebenso wichtig wie Wälder. Sie sind ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen, geben fruchtbaren Böden Schutz und speichern CO2 ein. Ein Drittel der weltweiten Kohlenstoffspeicher an Land sind Graslandschaften.

Damit sie ihre Funktionen weiter übernehmen können, muss das Ökosystem Grasland aber intakt bleiben. Die Klimakrise und Eingriffe durch den Menschen wirken sich auf das Ökosystem allerdings massiv aus – und das negativ.

Das Fachjournal Science hat den Gräsern daher in seiner aktuellen Ausgabe einen ganzen Themenschwerpunkt gewidmet und bisherige Erkenntnisse aus Studien zusammengefasst.

"Grasländer können eine wichtige CO2-Senke sein, indem sie das Treibhausgas im Boden bunkern."
Britta Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Hinter den unscheinbaren Gräsern steckt eine große Pflanzenordnung mit mehreren Familien. Davon zählen Sauergräser (Cyperaceae) und besonders Süßgräser (Poaceae) zu den wichtigsten Grasfamilien. Alleine von den Süßgras-Arten gibt es etwa 12.000 Stück. Darunter sind auch viele Getreidesorten, die wir kennen.

CO2-Speicher, Nahrung, Ökosystem

Drei Gräser sind im Laufe der mindestens 10.000 Jahre alten Getreideanbaugeschichte besonders wichtig für uns geworden: Weizen, Mais, Reis. Die Hälfte der Kalorien, die wir weltweit zu uns nehmen, kommt von ihnen. Wobei es regional Unterschiede gibt. In afrikanischen Ländern dominieren zum Beispiel viele Hirse-Arten.

Über Millionen Jahre an Umwelt angepasst

Die ersten Gräser gab es schätzungsweise schon vor mehr als 80 oder sogar 100 Millionen Jahren. Bis sie sich weltweit zu den Graslandschaften von heute entwickelt haben, hat es aber etwa 70 Millionen Jahre gedauert.

In dieser Zeit konnten sich die Gräser an die Umweltbedingungen anpassen, sie haben gelernt, mit Hitze und Trockenheit oder auch Frost umzugehen. "Durch diese Anpassungsfähigkeiten schafften es die Gräser auf alle Kontinente – einzelne Arten sogar bis in die Antarktis", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Britta Wagner.

Und jetzt sind sie durch den menschengemachten Klimawandel bedroht. Das meiste Grasland liegt in trockenen, halbtrockenen oder kalten Gebieten. Wenn Regen ausbleibt und der Permafrostboden auftaut, hat das für sie heftige Folgen. Ähnlich verhält es sich mit Überweidung oder dem Ausbau menschlicher Siedlungen.

Zumal zerstörte Graslandschaften nicht einfach behoben werden können. Davon ist die Wissenschaft lange ausgegangen, weil Gräser auf einer Brachfläche wieder schnell wachsen. Heute wissen sie allerdings, dass es Jahrzehnte brauchen kann, bis das Ökosystem Grasland darunter auch wieder intakt ist.