Die Grenze zwischen dem deutschen Konstanz und dem schweizerischen Kreuzlingen gibt es eigentlich seit 2006 nicht mehr. Jetzt ist sie im Zuge der Corona-Krise wieder da. Freunde und Paare sehen sich erstmal nur mit Abstand.

Seit vor 14 Jahren die Grenzbefestigung zwischen Konstanz und Kreuzlingen am Bodensee entfernt wurde, standen dort bis vor kurzem nur noch rote, hohe Kunstwerke entlang der ehemaligen Grenzziehung. Sie sollten an die alte, mit Stacheldraht gesicherte Grenze erinnern, die im Zuge des zweiten Weltkriegs errichtet wurde.

Die Grenze ist zurück

Seit März 2020 ist die Grenze wieder da. Zwar nicht aus Stacheldraht, aber dennoch hoch genug, dass niemand einfach drüber klettern kann. Zunächst war es nur ein improvisierter, hüfthoher Zaun oder weiß-rote Absperrbänder. Dann wurde daraus ein höherer Zaun, der von deutscher Seite aufgestellt wurde. Mittlerweile hat auch die schweizerische Seite noch einen weiteren Zaun in zwei Meter Abstand aufgestellt.

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Für viele Paare wird die Grenzaufstellung zur Belastungsprobe. Sie können sich gezwungenermaßen nicht richtig treffen. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Vera Pache hat Paare an der Grenze besucht, zu einem Zeitpunkt als nur ein Zaun aufgestellt war:

Paare auf Abstand

Melike und Seraina sind erst seit kurzem zusammen. Seraina kommt aus der Schweiz und Melike aus Deutschland. Das erste Mal trafen sie sich an einem ziemlich frostigen Abend an der frisch aufgestellten Absperrung. Gelohnt hat sich das Rendezvous trotzdem, erzählen die beiden.

"Das erste Mal haben wir uns hier so bei minus zwei Grad getroffen. Da war niemand da. Wir sind fast den Kältetod gestorben. Aber das war es auf jeden Fall wert."
Melike und Seraina, getrennt durch die Rückkehr der Grenze

Jetzt hocken sie im Gras und unterhalten sich über den Zaun hinweg. Einige Meter weiter sitzen Pascal und Maja, ebenfalls ein deutsch-schweizerisches Pärchen.

Keine gemeinsame Pizza

Pascal ist aus der Schweiz und ist zwei Stunden mit dem Zug nach Kreuzlingen gependelt, Maja ist 40 Minuten mit dem Auto nach Konstanz gefahren. An diesem Zaun können sie sich sehen und durch die Gitter hindurch Händchen halten. So selten wie jetzt hat sich das Paar noch nie gesehen. Aber sie haben die Hoffnung, dass die Grenzen bald wieder geöffnet werden, sagt Pascal.

"Ja, es ist auf der einen Seite irgendwie belastend, aber auf der andere Seite ist auch irgendwie die Hoffnung, dass die Grenze bald wieder aufmacht."
Pascal

Pascal hatte die Nachricht zuerst nicht ernst genommen und konnte nicht glauben, dass es keine Möglichkeit mehr geben könnte, sich mit Maja zu treffen. Jetzt sitzen sie sich am Zaun gegenüber und essen Pizza – jeder auf seiner Seite. Denn Dinge über den Zaun zu reichen, ist auch verboten.

Hohe Bußgelder

Das zeigen auch die Schilder mit der Aufschrift "Grenzübergang – Gesperrt", die am Zaun hängen. Wer über das Hindernis klettert, zahlt eine Strafe von 3000,- Euro. Maja hat ein Paar beobachtet, das sich durch den Zaun durch ein Päckchen übergeben hatte. Die Kontrolle war umgehend da und es gab 100,- Franken Strafe.

Seitdem nun der zweite Zaun steht, ist eine Paketübergabe ohnehin nicht mehr möglich. Auch Händchenhalten oder Küsse sind erstmal nicht mehr drin. Da müssen jetzt kreativere Ansätze her, wie zum Beispiel eine Runde Federball über die zwei Zäune hinweg.

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Laut Bundespolizei soll nur bis heute (14.04.2020) noch streng kontrolliert werden. Bisher gibt es aber kein offizielles Statement, wie es dann weitergehen soll. Die Zäune an sich werden wohl noch etwas stehen bleiben.