Bis heute hatte Kroatien Zeit, die neue Grenzziehung an der Bucht von Piran anzuerkennen. Dann darf Slowenien beginnen, das ihm zugesprochene Gebiet zu schützen. Doch es ist kompliziert.

Im Mittelpunkt des Nachbarstreits steht ein kleines Fleckchen Erde im Südwesten Sloweniens und im Nordwesten Kroatiens. Die Bucht verläuft entlang des beliebten Küstenstädtchen Piran und misst an ihrer breitesten Stelle nur etwa fünf Kilometer.

Schwammige Grenzen

Nicht geklärt war lange Zeit, wo genau die Grenze der Länder verläuft. Seit 1991, dem Zeitpunkt, als sich ehemals jugoslawischen Gebiete unabhängig erklärten, gibt es der Streit um Parin. Alle Vermittlungsversuche waren bisher gescheitert.

2009 hatte sich die EU in die Auseinandersetzung um das Gebiet an der Adria eingeschaltet und ein Schiedsverfahren am Internationalen Gerichtshof in Den Haag eingeleitet. Im Juni 2017 entschied das Gericht, dass rund 80 Prozent des Gebietes an Slowenien fallen solle. Kroatien will diesen Schiedsspruch jedoch nicht anerkennen. 

"Slowenien und Kroatien gehörten beide zum ehemaligen Jugoslawien. Im gemeinsamen Staat war nicht bis ins letzte Detail geklärt, wo diese Grenze verläuft."
Srdjan Govedarica, Korrespondent für Südosteuropa

Grund der Weigerung ist ein Skandal aus dem Jahr 2015. Damals wurde bekannt, dass der slowenische Richter des Schiedsgerichts verbotener Weise mit dem slowenischen Außenminister im engen Kontakt war. Zwar hatte sich das Gericht danach neu formiert und wurde mit neuen internationalen Richter besetzt, Kroatien erklärte jedoch seinen Ausstieg aus dem Verfahren.

"Auf den ersten Blick ist es schwer nachvollziehbar, warum dieser kleine Küstenstreifen jetzt so eine große Rolle spielt."
Srdjan Govedarica, Korrespondent für Südosteuropa

In der Entscheidung des Gerichts spielt auch die aktuelle Verteilung eine Rolle. So verfügt Slowenien über einen Küstenstreifen von etwa 50 Kilometern ohne eigenen Zugang zu internationalen Gewässern. Kroatien hingegen hat etwa 1800 Kilometer Küste, mit den Inseln sogar 6.000 Kilometer.

Eskalation an der Grenze

Warum Kroatien dennoch auf Blockade schaltet: Zum einen resultiert aus einer Art Trauma der Jugoslawienkriege die Einstellung, keinerlei Fläche abzutreten. Zum anderen geht es darum, kroatische Fischer aus der Region zu unterstützen.

Somit bleibt Kroatien bei seiner Einstellung, das Urteil nicht anzuerkennen und warnte Slowenien davor, einseitige Schritte einzuleiten. "Der Ton ist schon ein wenig rau," so Srdjan Govedarica, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent für die Region, "es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass es zu einer ernsthaften Auseinandersetzung kommt."